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Aït-Ben-Haddou, Todra Gorges und Sahara

Aït-Ben-Haddou

Um den Süden Marokkos in kurzer Zeit bestmöglich zu erkunden, buchten wir bereits aus Deutschland eine geführte Tour. Aufgrund der durchweg positiven Bewertungen auf Tripadvisor entschieden wir uns für Morocco Active Adventures. Der Tour-Anbieter organisiert individuelle Ausflüge von Marrakesch bis Fès und in mehreren E-Mails stellten wir vorab gemeinsam ein Vier-Tages-Programm für Thorsten und mich zusammen. Highlights der Tour sollten sein: Aït-Ben-Haddou, eine aus Lehm gebaute Festungsanlage aus dem 11. Jahrhundert und UNESCO Weltkulturerbe, eine Wanderung in der Todra Schlucht sowie ein Kamelritt mit Übernachtung in der Sahara.

Atlas Gebirge

Am Samstag wurden wir von Achmed, unserem Guide für die nächsten Tage, um 8.30 Uhr im Riad Menzeh abgeholt. Kurz darauf lernten wir auch unseren Fahrer Ali kennen. Von der Toubkal-Wanderung am Tag zuvor hatten wir so starken Muskelkater, dass selbst das Ein- und Austeigen ins Auto weh tat und so waren wir froh den Vormittag zunächst sitzend verbringen zu können. Erstes Ziel war der Tizi n’Tichka, ein 2.260 m hoher Gebirgspass im Hohen Atlas. Auf der kurvenreichen Strecke Richtung Pass hielten wir immer wieder für kurze Fotostopps.

Tizi n’Tichka

Gegen Mittag erreichten wir Aït-Ben-Haddou, wo wir zunächst vor einem (Touri-)Restaurant abgesetzt wurden. Ein Mittagessen kostet hier umgerechnet 10 Euro, ein für lokale Verhältnisse unglaublich hoher Preis. Im Anschluss an das Essen ging es zusammen mit Achmed auf Entdeckungstour durch Aït-Ben-Haddou. Die aus Lehm errichteten Häuser liegen in- und übereinander verschachtelt an einem Berghang. Innen befindet sich ein Labyrinth von Häusern, Türmen und kleinen Gassen. Seit 1987 steht die Kasbah als Weltkulturerbe unter dem Schutz der UNESCO. Regelmäßig dient Aït-Ben-Haddou auch als Filmkulisse und die Liste der Produktionen (u.a. Gladiator, Game of Thrones) hängt in etlichen Souvenirshops aus.

Aït-Ben-Haddou

Am Nachmittag ging es auf einer Fahrt durch das fruchtbare sogenannte Tal der Rosen bis wir gegen Abend den Ort Boumaine-du-Dades, eine kleine Oase am Ausgang der Dades Schlucht, und unsere Unterkunft für die Nacht erreichten. Im Hotel war an diesem Abend auch eine belgische Gruppe der Tour Ahmical, eine Oldtimer-Rallye von Fès bis Marrakesch, untergebracht und so parkten vor dem Hotel lauter alte Porsches, Bentleys und Bugattis.

Dades Valley

Am nächsten Tag stand eine Wanderung in Todra Gorges, eine Schlucht mit etwa 300 Meter hohen und beinahe senkrecht abfallenden Felswänden, auf dem Programm. Achmed empfing uns nach dem Frühstück in der Hotellobby und wir fuhren zunächst in die Oasenstadt Tinghir. Im Ort angekommen, kehrten wir für eine Tasse Tee im „Petit Riad“ (unsere Unterkunft für die zweite Nacht) ein. Auf der Terrasse des Guesthouses hat man einen tollen Ausblick auf die Oase, welche hauptsächlich aus Dattelpalmen, Olivenbäumen und Gemüsefelder besteht, sowie auf die gegenüberliegenden Felsformationen und Kasbah.

Le Petit RiadOasenstadt Tinghir

Jawad, der Betreiber des Riads, nahm uns mit auf die anstehende Tageswanderung. Nachdem wir die Schlucht durchquert hatten, an dessen Felswänden sich rechts und links Kletterer übten, ging es durch rotbraunes Felsgestein einen kleinen Wanderpfad bergauf. Oben angekommen, erblickten wir eine kleine Siedlung. Berber-Nomaden sind in den Bergen sesshaft geworden und leben dort zusammen mit ihrem Vieh in Höhlen. Solche einfachen Lebensbedingungen haben wir auf all unseren Reisen noch nicht gesehen und lagen bisher auch außerhalb unserer Vorstellungskraft. Wir trafen lediglich einen Großvater mit seiner vierjährigen Enkelin an, die uns sofort auf eine Tasse Tee einluden. Unsere Mittagspause verbrachten wir bei einem Picknick im Zelt der Berber und Jawad berichtete dem Großvater Neuigkeiten aus Tinghir.

Nomaden Todra GorgesNomaden Todra Gorges

Jawad zeigte uns nach dem Abstieg und der Rückkehr ins Tal noch das Dorf und die Kasbah. Den Abend ließen wir bei einem leckeren Essen auf der Terrasse des Petit Riads ausklingen.

Den Vormittag des dritten Tages verbrachten wir erneut im Auto und fuhren ins 200 Kilometer entfernte Merzouga, ein kleiner Wüstenort an der Grenze zu Algerien. Auf der Fahrt durchquerten wir Rissani, wo wir zusammen mit Achmed, der hier im Ort zur Schule gegangen ist, die lokalen Souks sowie einen Schafsmarkt besuchten. Am 5. Oktober wurde in Marokko das islamische Opferfest gefeiert zu dem jede Familie ein Schaf schlachtet.

Schafsmarkt Rissani

Auf der Weiterfahrt sahen wir schon aus der Ferne die 150 Meter hohen Sanddünen der Erg Chebbi. Nachdem wir unsere Rucksäcke in einem kleinen Guesthouse in Merzouga verstaut hatten, starteten wir gemeinsam mit einem Paar aus der Slowakei auf einen 1,5-stündigen Dromedar-Ritt durch die Dünenlandschaft. Den sternenklaren Abend verbrachten wir bei  Trommel-Musik und einem leckeren Abendessen in einem Zeltlager inmitten der Sahara. Pünktlich zum Sonnenaufgang um 7 Uhr wurden wir bereits geweckt und bevor die Hitze unerträglich wurde, machten wir uns gemeinsam auf den Rückweg.

Erg ChebbiZeltlager Sahara

Nach unserer Rückkehr in Merzouga frühstückten wir im Guesthouse und brachen kurz darauf ins 500 Kilometer entfernte Fès auf. Den kompletten vierten Tag unserer Tour verbrachten wir demnach im Auto und stoppten lediglich für ein kurzes Mittagessen auf halber Strecke. Fès erreichten wir erst nach Einbruch der Dunkelheit im strömenden Regen. Nachdem wir uns von Achmed und Ali verabschiedet hatten, ließen wir den Rest des Abends in unserem Riad inmitten der Medina ausklingen. Unser Urlaub neigte sich langsam dem Ende entgegen, denn die Königsstadt Fès war bereits die letzte Station unserer Reise.

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