Artikel
7 Kommentare

Atiu

Atiu: Hinflug

Seit ein paar Stunden sind wir zurück auf Rarotonga und unsere Internetverbindung ist endlich wieder schnell genug, so dass wir unseren Blog aktualisieren konnten. Daher folgen auch gleich neue Einträge der letzten zwei Wochen auf Aitutaki und Atiu.
Die letzten fünf Tage verbrachten wir auf der kleinen Insel Atiu, die mit nur 500 Einwohnern der einsamste Ort unserer bisherigen Reise war (und auch einer der schönsten). Bereits unser Flug nach Atiu war ein außergewöhnliches Erlebnis: Die Propellermaschine von Air Rarotonga ist das kleinste Flugzeug mit dem wir jemals geflogen sind, mit uns an Bord waren neun weitere Touristen sowie zwei Piloten, es gab weder eine Sicherheitskontrolle noch -einweisung und die Tür zum Cockpit war die ganze Zeit geöffnet, so dass man den Piloten bei der Arbeit zuschauen konnte. Nach 40 Minuten Flugzeit erspähten wir die grüne Insel Atiu und wenig später landeten wir auf einer Landebahn aus Korallenschrott. Marshall, der Eigentümer unseres Bed & Breakfast für die nächsten Tage, empfing uns am Flughafen (der eher einer Bushaltestelle glich) und wir bekamen erneut traditionelle Blumenketten (Lei) überreicht.

Atiu Bed & Breakfast

Auf dem Weg ins Inselinnere, wo sich die fünf Dörfer Atius befinden, zeigte uns Marshall den kleinen Hafen der Insel. Das die Insel umgebene Riff ist an dieser Stelle unterbrochen und hohe Mauern schützen den abgetrennten Bereich des Hafens vor den Wellen des Pazifiks. Und da sich so gut wie nie Schiffe im Hafen befinden, eignet er sich auch besonders gut als Swimmingpool indem man fantastisch schnorcheln kann. Wir hatten großes Glück, denn genau zu dem Zeitpunkt als wir mit dem Pickup vorm Hafen anhielten, sahen wir draußen im Ozean zwei Buckelwale vorbeischwimmen. Die Wale waren leider schnell wieder verschwunden und weiter ging es zu Marshalls gemütliches Wohnhaus etwas außerhalb der Dörfer. Er und seine Frau Jéanne, die gebürtig von der Insel stammt, sind vor 20 Jahren aus Neuseeland nach Atiu gekommen. Seit ihre insgesamt sieben Kinder aus dem Haus sind, vermieten die beiden drei der Zimmer an Touristen. Ihren Wohn- und Essbereich sowie das Badezimmer teilen sie mit den Gästen. Jéanne ist Künstlerin und überall im Haus hängen ihre farbenfrohen Blumen- und Fischmotive. Neben uns waren noch ein österreichisches Paar sowie zwei Medizinstudentinnen aus England, die ein zweiwöchiges Praktikum im örtlichen Krankenhaus absolvieren, zu Gast. Jéanne lernten wir während unserer Zeit auf Atiu leider nicht kennen, da sie zu Besuch bei Freunden in Neuseeland war.

Atiu: Super Brown Shop

Nachdem Marshall uns das Haus gezeigt hatte, schwangen wir uns auf seinen Motorroller und fuhren ins „Zentrum“. Erster Stopp war der „Super Brown Shop“, wo wir weitere Touristen der Insel kennenlernten und uns einen Hawaii Burger teilten. Auf der Insel sind im Schnitt immer nur zehn bis fünfzehn Touristen zur selben Zeit und man kommt sehr schnell mit allen in Kontakt und tauscht sich aus. Der „Super Brown Shop“ war in den nächsten Tagen eine regelmäßige Anlaufstelle für uns, wo wir die aktuelle Tageszeitung, die „Cook Island News“ kauften und uns einen der leckeren, selbstgemachten Burger teilten.

Atiu: Umzug

Die Feiern zum Unabhängigkeitstag der Cookinseln am 4. August begannen zufälligerweise am Tag unserer Ankunft und zur Eröffnung fand ein Umzug mit aufwendig geschmückten Wägen statt. Es wurde laut getanzt und gesungen und die Stimmung war ausgelassen. Wir waren überrascht was eine Gemeinde von 500 Leuten alles auf die Beine stellen kann, nicht wissend was in den nächsten Tagen an Feierlichkeiten noch folgen würde.

Atiu: Küste

Den Rest des Tages verbrachten wir mit einer ersten Erkundung der Insel auf dem  Motorroller. Die Vegetation der Insel ist sehr vielfältig: Dichter Regenwald grenzt an eine lichte Buschvegetation und an der Küste wechseln sich fein gemahlene Korallenstrände mit Felsformationen ab. Vor allem die Küste zog uns sofort in ihren Bann und wir verbrachten einige Zeit damit die meterhohen gewaltigen Wellen beim Brechen am Riff zu beobachten.

Zum Abendessen servierte Marshall Mondfisch mit Taro und Salat und zum Nachttisch Schneefrucht mit Vanilleeis. Alles sehr lecker und neu für uns. Zusammen mit dem österreichischen Paar guckten wir im Anschluss noch einen ARD Reisebericht aus dem Jahr 2009 über Rarotonga, Aitutaki und Atiu. In der Reportage erfuhren wir u.a., dass das Fernsehprogramm für die einzelnen Inseln vor Ort zusammengestellt wird: Aus verschiedenen Satellitenkanälen wird in einem Kontrollraum auf jeder Insel ein einziger Sender zusammengestellt. Dabei kann es dann vorkommen, dass die Tierdokumentation plötzlich unterbrochen und ein populäres Rugbyspiel eingeblendet wird. Das ARD Team war zur Drehzeit bei Marshall zu Gast und die DVD bekam er nach der Ausstrahlung aus Deutschland zugeschickt.

Atiu: Kaffeeverkostung

Am nächsten Morgen stand unser Gastgeber wieder gut gelaunt in der Küche und servierte Frühstück. Jeden Morgen gab es frisch gebackenes Brot, selbstgemachte Marmeladen, Avocadoaufstrich sowie Papaya und Bananen aus dem Garten. Woher der leckere Frühstückskaffee stammt, sollten wir an diesem Vormittag von Jürgen erfahren, der uns kurz darauf abholte. Jürgen ist vor 30 Jahren zusammen mit seiner Frau Andrea aus Deutschland ausgewandert, um auf Atiu eine Kaffeeplantage inklusive Produktion und Abfüllung neu aufzubauen. In den nächsten Stunden erfuhren wir einiges über Kaffeeanbau und -herstellung, besichtigten die Plantage und Jürgen zeigte uns seine Maschinen zum Sortieren und Rösten. Die Tour endete mit einer Verkostung des „Atiu Coffee“ auf Jürgen und Andreas Terrasse.

Atiu: Papageienfisch

Nach der Tour fuhren wir mit dem Motorroller zum Hafen und da gerade Samstag war, tummelte sich eine große Gruppe Kinder und Jugendlicher im Hafenbecken. Wir schnorchelten eine Weile und sahen den Kindern beim Spielen zu. Einer der Jungs fing beim  Angeln einen Papageienfisch und zeigte uns stolz seinen Fang, den er leider verkehrt herum hielt.

Sonntagmorgen stand der Kirchenbesuch auf dem Programm, denn die Kirchenchöre der Cookinseln gehören zu den besten im ganz Südpazifik. Der Gottesdienst dauerte eine Stunde, die Predigt wurde in Maori gehalten, die Gäste auf Englisch begrüßt und die Gemeinde war festlich gekleidet. Die Kirchenlieder wurden spontan angestimmt und ohne instrumentelle Begleitung sang die Gemeinde mit einer unglaublichen Stimmgewalt in verschiedenen Chören. Wirklich sehr beeindruckend und kein Vergleich zu den häufig kläglichen Kirchengesängen in Deutschland.

Atiu: Rarotonga Flycatcher

Am Nachmittag war eine Tour mit dem Insel Ornithologen George geplant. Zusammen mit einem italienischen Paar und drei neuseeländischen Anthropologen, die für sechs Wochen auf Atiu alte Grabstätten erforschen, starteten wir auf der Laderampe eines Pickups Richtung Regenwald. George siedelte den sogenannten „Rarotonga Flycatcher“ vor ein paar Jahren wieder auf der Insel an und besonders eindrucksvoll war, dass er die Laute des Vogels genauestens imitieren kann. Der Flycatcher reagiert auf seinen Lockruf und mehrere Exemplare kamen innerhalb kürzester Zeit angeflogen. Am Ende der Eco-Tour servierten George und seine Frau ein Essen am Strand: Es gab im Erdofen gegartes Hühnchen, Taro, Spinat aus den Taroblättern sowie Papaya, Kokosnuss und Bananen. Die Kokosnüsse für den frischen Saft holte George zuvor sehr eindrucksvoll vom Baum und schälte die jungen Nüsse mit seiner Machete.

Atiu: Versammlungshaus

Im Rahmen der Feiern zum Unabhängigkeitstag fand am Abend ein Gesangswettbewerb im Versammlungshaus der Insel statt. Das wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen und so brachen wir direkt im Anschluss an die Tour zusammen mit den beiden Medizinstudentinnen wieder auf. Im Versammlungshaus angekommen war der gesamte Saal bereits voll mit Menschen: Männer wie Frauen trugen bunte Hawaiihemden und waren mit Blumenketten behangen, es wurde lautstark gequatscht, unzählige Kleinkinder sprangen umher und einige Frauen trugen ihre frischgeborenen Babys auf dem Arm. Wir wurden herzlich begrüßt und nahmen inmitten dieses bunten Treibens Platz. Wenig später stand die erste Gesangsgruppe auf der Bühne und es wurde erneut ohne instrumentelle Begleitung voller Inbrunst in verschiedenen Chören gesungen. Eine Gruppe nach der nächsten trat auf und als nach der achten Gesangsdarbietung immer noch nicht Schluss war, entschlossen wir noch vor dem Ende der Veranstaltung nach Hause zu fahren. Die vielen neuen Eindrücke und der vollgepackte Tag forderten ihren Tribut und wir fielen erschöpft und glücklich ins Bett.

Atiu: Strand

Nach dem ereignisreichen Sonntag verbrachten fast wir den gesamten Montag am Strand. Auf Atiu findet man immer einen menschenleeren Strandabschnitt und bei ablaufendem Wasser kann man innerhalb des Riffs wie in einer großen Badewanne plantschen und zwischen den Korallen nach Muscheln schnorcheln.

Atiu: Tanzwettbewerb

Am Abend fand erneut ein Wettbewerb im Versammlungshaus der Insel statt und diesmal standen traditionelle polynesische Tänze im Vordergrund. Die Darbietungen waren noch energiegeladener als am Tag zuvor und auch die Zuschauer bewegten sich im Rhythmus der Musik und fingen spontan an zu tanzen. Babys wurden im Saal herumgereicht und die Kinder bekamen jede Menge Süßigkeiten, Chipstüten und Softdrinks zugesteckt. Aus Gesprächen mit Marshall wissen wir, dass es ganz natürlich ist seine Kinder Verwandten und Freunden anzuvertrauen. Trotz des starken christlichen Glaubens bekommen Frauen häufig Kinder von verschiedenen Partnern bevor sie sich auf einen Mann fürs Leben festlegen und heiraten. So lasen wir beispielsweise auf einem Grabstein im Ort die Inschrift „geliebter Vater von sieben Kindern und biologischer Vater von drei Kindern“.

Atiu: Eingang Burial Cave

Den gestrigen Vormittag verbrachten wir ein letztes Mal am Strand und am Nachmittag erkundeten wir zusammen mit Marshall die Höhlen der Insel. Zunächst ging es in die „Rimarau Burial Cave„, eine alte Begräbnisstätte der Maori, in der man noch die Skelette der Eingeborenen findet. Der Weg zur Höhle führt durch einen dicht bewachsenen Urwald und direkt unterhalb eines großen Banyanbaumes befindet sich der Abstieg in die alte Grabstätte. Die Tour ist nichts für Klaustrophobiker, denn im Inneren der Höhle ist es sehr eng und überall ragen spitze Korallenfelsen von den Decken.

Atiu: Burial Cave

Auf dem Weg zur zweiten Höhle, der sogenannten „Anatakitaki Kopeka Bird Cave„, sammelten wir noch vier weitere Touristen von einer der Unterkünfte auf der Insel ein. Zunächst wanderten wir im Entenmarsch 40 Minuten über spitzes Korallengestein bevor wir den Eingang der Höhle erreichten. Die Anatakitaki Cave erinnert an eine Tropfsteinhöhle und ist sehr viel größer und geräumiger als die erste Höhle. Im Inneren der Höhle nistet der Kopeka-Vogel, welcher weltweit einzig auf Atiu vorkommt. Die Vögel finden sich in der dunklen Höhlen mittels klickenden Echolauten zurecht, welche wir eindrucksvoll zu hören bekamen. Sobald sie den Ausgang der Höhle erreichen, können sie auf Sicht fliegen und beenden das Klicken. Die Tour endete mit einem erfrischenden Bad bei Kerzenschein in einem Süßwasserpool der Höhle.

Atiu: Anatakitaki Cave Atiu: Anatakitaki Cave

Heute Morgen verabschiedeten wir uns etwas wehmütig von Marshall und Atiu, dem Highlight unseres Südsee Aufenthalts. Wir haben die Zeit auf Atiu sehr genossen und hätten ohne Weiteres noch eine Woche länger auf der kleinen Insel verbringen können. Gerade durch den Aufenthalt bei Marshall und die vielen Gespräche mit ihm haben wir einen tieferen Einblick in die Kultur und Geschichte der Inseln bekommen.

Mit der kleinen Propellermaschine und nur zwei weiteren Passagieren ging es wieder zurück nach Rarotonga. Wir bleiben noch bis Samstag auf der Insel bevor wir mit einem kurzen Zwischenstopp in Los Angeles weiter nach Vancouver in Kanada fliegen.

7 Kommentare

  1. Hallo Karolin, hallo Thorsten,
    sehr ,sehr gespannt warte ich schon immer wieder auf eure Reiseberichte. So interessant sind sie, es macht mir so einen Spass …..
    Wisst ihr auch, daß das letzte Vierteljahr für euch begonnen hat und dann hat euch der Alltag in Deutschland wieder. Ich wünsche euch noch wunderbare Tage, auch mit Sebastian und Annika, macht euch viel Spaß, das Leben kann mitunter noch ernst genug sein.
    Heute sind es in Deutschland außergewöhnliche 35 Grad plus, morgen soll es noch wärmer werden.
    Viele Grüße auch an Sebastian und Annika
    von
    Inge Mehler

    Antworten

  2. Hallo Inge,
    danke für deinen Kommentar. Wir können gar nicht immer alles aufschreiben, was wir erleben und neues erfahren. Es sind sogar „nur“ noch zwei Monate und am 5. Oktober sind wir zurück in Deutschland. Die Zeit vergeht so schnell aber wir werden das Ende der Reise und die Zeit mit Anika und Sebastian sicherlich genießen.
    Genießt die heißen Sommertage in Deutschland.
    Liebe Grüße,
    Thorsten und Karolin

    Antworten

  3. Auch wir sind mal wieder ganz begeistert von dem letzten Bericht und haben Euch auf Euren Erkundungen „begleitet“. Gerade durch die freundlichen Einwohner und deren Führungen und Tipps gewinnt Ihr ja solche tollen Einblicke in das Land. Wir freuen uns mit Euch darüber. Ich warte schon auf den nächsten Bericht. Zu Mamas Geburtstagsfeier im Oktober werden wir ja dann vielleicht auch mündlich davon hören. Trefft Ihr Euch z.Zt. mit Anika und Sebastian? Wenn ja, wünschen wir Euch allen weiterhin tolle Eindrücke und problemloses Reisen. T. Brigitte u. O. Hartmut

    Antworten

    • Hallo nach Bünde, wir haben die Zeit auf den Cooks sehr genossen. Schade, dass dieses Stückchen Erde so weit entfernt von zu Hause ist. Zu Brigittes Geburtstag sehen wir uns im Oktober. Bis dahin auch euch eine schöne Zeit.

      Antworten

Kommentar verfassen