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Berastagi und Tobasee

Garten des Talitha Guesthouse

Am Donnerstagmorgen ließen wir Bukit Lawang hinter uns und fuhren mit einem Kleinbus nach Berastagi. Die Strecke führte zunächst durch endlose Ölpalmplantagen. Indonesien ist neben Malaysia einer der größten Produzenten von Palmöl und auch hier auf Sumatra wird immer noch Regenwald für die Plantagen abgeholzt. Gegen Ende der fünfstündigen Fahrt mussten wir mit dem Bus noch einige Serpentinen erklimmen und stiegen dann im Hochland von Sumatra vor unserem Guesthouse aus.

Bungalow Talitha Guesthouse

Die Unterkunft war eine Empfehlung aus unserem Reiseführer und ein echtes Highlight: Das Talitha-Guesthouse hat 4 Zimmer, die als Bungalows an das Haupthaus der Besitzer anschließen. Die Besitzer sind ein älteres Ehepaar, der Mann stammt aus Holland, die Frau ist Indonesierin und die beiden haben den Nutzgarten und das Grundstück sehr liebevoll gestaltet. Wir wurden sofort mit einem echten Bohnenkaffee begrüßt und fühlten uns gleich wie zu Hause. Das Zimmer war eines der saubersten auf der ganzen Reise und wir zahlten umgerechnet nur 7 EUR pro Nacht.

Berastagi Zentrum

Nachdem wir den Kaffee getrunken hatten, liefen wir zu Fuß ins Zentrum der Stadt. Berastagi ist keine Schönheit, es liegt viel Müll auf den Straßen und die Häuser sind eine lieblose Mischung mittelalten Baustils. Für die Menschen hier auf Sumatra sind wir exotisch, an jeder Ecke hört man ein „Hello Mister“ und wir wurden auch schon des Öfteren fotografiert. Oft wollen die Leute ein paar Sätze mit uns wechseln und freuen sich, wenn wir mit ihnen reden. Als wir in Indonesien ankamen, dachten wir noch häufiger, dass diese Gespräche dazu dienen sollen uns etwas zu verkaufen. Es geht aber fast immer nur darum ein paar Worte zu wechseln. Teilweise wird es uns jetzt schon zu viel, die Schulkinder lachen regelmäßig über uns und wir verstehen nicht wirklich wieso.

Wanderweg auf den SibayaAusblick auf den Gunung Sinabung

Am Abend gingen wir früh ins Bett und stellten den Wecker auf 6 Uhr: Am nächsten Morgen stand die Wanderung auf den Gunung Sibayak auf dem Programm. Der 2.095 Meter hohe, aktive Vulkan ist für viele Besucher Nordsumatras der Grund für einen Besuch in Berastagi. Nachdem wir unsere Gastgeberin weckten (das Hoftor war noch abgeschlossen), fuhren wir mit einem lokalen Minibus zum Fuß des Vulkans. Dort lösten wir ein Ticket für den Besuch des Berges und trugen unsere Namen in ein Buch ein. Vor der Tür fuhr in diesem Moment ein Pickup ab und der Fahrer lud uns ein auf der Ladefläche ein Stück mitzufahren. Nach einer kurzen Fahrt hielt der Pickup und wir wanderten auf der geteerten Straße in Richtung Gipfel. Am Ende der kleinen Straße mussten wir erstmal nach dem Start der eigentlichen Wanderstrecke zum Vulkankrater suchen. Über einen zugewachsenen Betonpfad, der teilweise stark ausgespült war, ging es dann weiter und der Ausblick ins Umland wurde immer beeindruckender. Wir hatten einen wolkenfreien Morgen erwischt und konnten sogar den Nachbarvulkan Gunung Sinabung und seine Rauchfahne sehen. Je weiter wir in Richtung Gipfel kamen, desto lauter war auch ein Zischen zu hören. Bald konnten wir sehen, dass Überall Wasserdampf aus Spalten und Löchern schoss und die Luft roch immer stärker nach Schwefel.

Krater auf dem Sibaya

Als wir dann auf dem Kraterrand standen und das Umland und den kleinen Kratersee beobachteten, entdeckten wir unterhalb von uns eine größere Gruppe Menschen die orange Warnkleidung trug. Später am Tag erfuhren wir im Ort, dass ein Japaner zwei Tage zuvor zum Vulkan aufgebrochen und seitdem nicht wieder in seine Unterkunft zurückgekehrt war. Die Gruppe unterhalb von uns war ein erster Suchtrupp, während des Abstiegs kamen uns immer wieder Polizisten und weitere Suchmannschaften entgegen. Auch der Pickup vom Morgen gehörte dazu. Am Berg verschwinden immer wieder Wanderer und verirren sich zum Teil für Tage im Regenwald oder werden erst tot wieder gefunden. Das liegt aus unserer Sicht auch an der fehlenden Beschilderung auf dem Gipfel, wir hatten einen gute Beschreibung aus unserem Reiseführer und verließen den Vulkan auf dem selben Weg, auf dem wir auch gekommen waren. Mittlerweile ist der Japaner zum Glück gefunden worden.

Hot Springs in Rajah Berne

Nach dem Abstieg vom Gipfel unternahmen wir noch eine Abschlusswanderung in einen Nachbarort von Berastagi, nach Rajah Berne. Dort gibt es vom Vulkan gespeiste, heiße Quellen, die in verschiedene Becken geleitet werden und in denen wir unseren Wandertag ausklingen ließen. Das Wasser ist sehr schwefelhaltig und wir können den Geruch von faulen Eiern auch nach mehrfachem Duschen und Wäschewaschen immer noch leicht wahrnehmen. Zurück nach Berastagi fuhren wir mit einem lokalen Kleinbus, den wir uns mit elf Indonesiern und zwei großen Körben Gemüsen teilten.

Karo Kleinbus in Berastagi

Die Wanderung auf den Gunung Sibayak war ein tolles Erlebnis und wir werden auf Java noch eine weitere Vulkanwanderung unternehmen.

Fähre in Parapat am Toba-See

Am nächsten Tag starteten wir, nach einem köstlichen Frühstückskaffee von unseren Gastgebern, mit einem Minibus in Richtung Tobasee. Der Tobasee ist der größte Kratersee der Erde, der durch einen Vulkanausbruch vor ca. 70.000 Jahren entstand. Von Parapat aus fuhren wir mit einer Fähre auf die Insel Pulau Samosir und wurden direkt am Ufer vor unserer Unterkunft abgesetzt. Im Moment ist absolute Nebensaison und das Dorf Tuk Tuk, in dem wir wohnen, wirkt sehr leer und entspannt. In der Hauptsaison im Juni, Juli, zum chinesischen Neujahrsfest und zum Ende des Ramadan wird es hier voller, deswegen gibt es viele Gästehäuser und Restaurants. Die Menschen sind auch hier sehr offen und freundlich.

Blick auf den Toba-See von Tuk Tuk

Baden im Toba-See

Wir verbrachten die letzten Tage mit einem klassischen Urlaubsprogramm: Wir badeten im See, lagen lesend in der Batak-Hütte am Ufer und beobachteten Abends die Wolken über den Bergen. Heute fuhren wir zum Abschluss unserer Zeit am Tobasee mit einem gemieteten Motorroller in die Berge des Inselinneren und genossen die Aussicht.

Blick auf den Toba-See von Pulau Samosir

Morgen fahren wir mit Boot und Bus zurück nach Medan und fliegen am Nachmittag nach Surabaya auf Java. Die Entfernungen hier sind viel größer als wir erwartet hatten und die öffentlichen Nahverkehrsmittel fahren sehr langsam und unregelmäßig. Daher fliegen wir diese Inlandstrecke anstatt den Bus zu benutzen, um eine weitere indonesische Insel besuchen können.

5 Kommentare

  1. Die endlosen Ölplantagen gibt es also wirklich! Die machen mir auch das Leben schwer.

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    • Ja, die gibt es wirklich, auch in Malaysia haben wir schon viele gesehen. Wieso machen die denn dir das Leben schwer?

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      • Es werden große mEngen Palmöl als nachhaltig zertifiziert und in die EU eingeführt, das ist halt Konkurrenz zum Raps.
        Aber schwer ist mein Leben dadurch eigentlich doch nicht…

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  2. Der Japaner wurde nach 4 Tagen mit einigen Blessuren lebend gefunden. Es wird allerdings auch noch ein Franzose vermisst, der sich allerdings nicht in das Buch eintragen hat und nachdem im Moment niemand sucht, da man nicht weiß wo er hingelaufen ist.

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