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Bukit Lawang und der Gunung Leuser Nationalpark

Bukit Lawang: Orang Utan

Vor ein paar Stunden sind wir von unserer ersten Trekking-Tour in Indonesien zurückgekehrt. Und soviel schon mal vorab: die Tour war für mich das bisher beste Naturerlebnis auf der gesamten Reise. Eigentlich waren wir nach drei Monaten in Südostasien der Kultur, den vielen Menschen, dem Müll, dem Klima, dem Verkehr und vielem mehr schon etwas überdrüssig, doch unser erster Stopp in Indonesien gab uns zum Glück noch mal einen ganz neuen Antrieb für die kommenden vier Wochen.

Am Freitag ging es zunächst mit dem Flieger von Bangkok nach Medan auf Sumatra. Zwar ist Medan die drittgrößte Stadt des 250 Millionen Einwohner-starken Landes, allerdings wirkte der Flughafen auf uns wie ein Provinzflughafen. Am Gepäckfließband, welches wie eine Supermarktkasse ins Leere lief, drängelten sich die Kofferträger und außerhalb des Flughafens wollten uns unzählige Taxifahrer in die Innenstadt oder direkt nach Bukit Lawang bringen. Wir gingen – wie in unserem Reiseführer beschrieben – zur gegenüberliegenden Tankstelle in der Hoffnung ein Taxi zu erwischen, welches nach Taxameter fährt, mussten uns dann allerdings doch auf einen Festpreis von 40.000 Rupiah bis zu unserem Hotel in die Innenstadt einigen. Aus unserem Reiseführer und dem Internet wussten wir bereits, dass die meisten Touristen, aufgrund des vielen Verkehrs und der wenigen Sehenswürdigkeiten, einen großen Bogen um Medan machen, wir entschieden uns allerdings dafür einen kompletten Tag in der Stadt zu verbringen.

Medan

Am nächsten Morgen gingen wir dann auch direkt nach dem Frühstück auf Entdeckungstour, um nach kurzer Zeit festzustellen, dass tatsächlich keinerlei Touristen in der Stadt unterwegs sind und vor allem niemand außer uns zu Fuß geht. Entsprechend neugierig wurden wir (bzw. Thorsten, denn Frauen werden in Begleitung eines Mannes nie angesprochen) überall mit „Hello Mister“ begrüßt. Die wenigen Sehenswürdigkeiten (Chinatown; Textilmarkt, welcher sich allerdings auf muslimische Outfits für die Pilgerreise nach Mekka beschränkt; eine Moschee sowie ein hinduistischer Tempel) waren dann auch innerhalb kürzester Zeit abgegrast und wir verbrachten den Rest des Tages in unserem Hotelzimmer.

Busfahrt Medan - Bukit Lawang

Für die Weiterreise nach Bukit Lawang am nächsten Tag wählten wir den öffentlichen Bus von dem wir zwar schon viel abenteuerliches gehört hatten (u.a. bekamen wir von unserem Guesthouse in Bukit Lawang eine einseitige Anleitung), den wir allerdings für eine Kurzstrecke von 2,5 Stunden zumindest einmal ausprobieren wollten. Und somit war ich auch positiv überrascht als wir unser Gepäck im Kofferraum verstauen konnten, wir zwei Plätze für uns alleine zugewiesen bekamen und die Fenster die ganze Fahrt über geöffnet waren. Denn normalerweise reisen die Indonesier gerne mit viel Gepäck, so dass es nicht selten vorkommt, dass man den Rucksack an seinem Platz verstauen muss, die Anzahl der Fahrgaste richtet sich nicht nach der Anzahl der verfügbaren Plätze und die Indonesier mögen keine Zugluft, obwohl die ganze Zeit über geraucht wird. 75% der indonesischen Bevölkerung sind begeisterte Rauchen und häufig wird damit schon im Kindesalter begonnen.

Bukit Lawang: Balkon Greenhill

Bukit Lawang liegt in einem engen Flusstal am Ufer und vom Bungalow unserer Unterkunft blicken wir auf den Regenwald des Gunung Leuser-Nationalparks. Nach unserer Ankunft buchten wir eine zweitätige Trekking-Tour für den nächsten Tag und verbrachten den restlichen Tag damit die zwischendurch sehr aufdringlichen Affen von unserem Balkon aus zu beobachten und zu verscheuchen.

Bukit Lawang: TrekkingtourBukit Lawang: Orang Utan

Am nächsten Morgen ging es um 8.00 Uhr zusammen mit unserem Guide Anton in den Nationalpark. Zunächst durchquerten wir einige Gummibaumplantagen gelangten dann aber binnen kurzer Zeit in den Regenwald. Die Natur wurde immer wilder und grüner, die Bäume waren über mehrere hundert Meter hoch und aufgrund der unglaublich hohen Luftfeuchigkeit waren wir innerhalb kürzester Zeit bis auf die Unterhose nassgeschwitzt. Überall raschelte es in den Baumspitzen, man sah umherfliegende Affen und nach einer Stunde Trekking bekamen wir dann auch unseren ersten Orang Utan zu Gesicht. Schätzungsweise 5.000 der Menschenaffen, deren Gene zu 97% mit dem Menschen übereinstimmen, leben im Nationalpark und es handelt sich z.T. um halbwilde Tiere aus Gefangenschaft, die vor ein paar Jahren wieder an ihre natürliche Umgebung gewöhnt wurden. Insgesamt sahen wir an diesem Tag sieben Orang Utans, z.T. sogar zusammen mit ihren Jungen und gegen Abend kam noch ein halbwildes Orang Utan Weibchen ganz nah an unserem Camp vorbei. Wir konnten das Weibchen eine Zeit lang beobachten, dann vertrieben die Guides es mit Wasser aus dem Fluss. Orang Utans können sich aufgrund der großen genetischen Übereinstimmung sehr leicht beim Menschen mit verschiedenen Krankheiten infizieren und auch umgekehrt der Mensch beim Orang Utan.

Bukit Lawang: Orang Utan

Der Weg durch den Regenwald war alles andere als ein Spaziergang und die schmalen Wege auf schlammigen Untergrund Berg hoch und runter machten uns nicht nur aufgrund des Klimas zu schaffen. Gegen Ende setze auch noch ein starker Regenschauer ein und die dicken herabprasselnden Tropfen verdeutlichten uns wonach die „Rainshower“ benannt wurde.

Bukit Lawang: FlusstalBukit Lawang: Jungle Kitchen

Es hörte auf zu regnen als wir den Fluss und das Camp erreichten und der aus dem Wald herabsteigende Wasserdampf zauberte ein wunderschönes Panorama. Im Camp erwartete uns bereits unser Koch für den Abend und nach einem erfrischenden Bad im Fluss genossen wir ein 7-Gänge Menü, welches wir trotz der anstrengenden Wanderung nicht aufessen konnten. Dazu sei gesagt, dass wir von der indonesischen Küche total überrascht sind und uns jedes Gericht bisher sehr gut geschmeckt hat. Es werden viele Gewürze verwendet, die man in Deutschland gar nicht einsetzt, z.B. Sternanis und Kardamom. Die Nacht verbrachten wir in einem Holzunterschlupf und auf einer sehr dünnen Isomatte, die leider keinerlei Komfort zuließ. Heute ging es nach dem Frühstück noch für ein Bad zu einem nahegelegenen Wasserfall und zurück ins Dorf in drei zusammengeknoteten LKW-Reifen flussabwärts. Den Rest des Tages haben wir unsere lahmen Knochen geschont und morgen geht es für eine dreistündige Rafting-Tour noch mal aufs Wasser.

Bukit Lawang: WasserfallBukit Lawang: Rafting im LKW-Reifen

2 Kommentare

  1. Hallo Thorsten und Karo!

    Ich hatte keine Ahnung, dass Indonesien so schoen ist, und ich wusste auch nicht, dass man da Orang Utans so nahe sehen kann. Mir defaellt Karo’s Blumenhose – sie sieht so bequem, luftig und schoen aus.

    Viele liebe Gruesse von uns allen,

    Eure Katja

    Antworten

  2. Wir hatten vorher auch nicht damit gerechnet einen Orang Utan aus dieser Nähe beobachten zu können. Wir hatten großes Glück und es ist auch nicht selbstverständlich. Einen Tag später ist eine Gruppe losgegangen, die während des gesamten Treks gar keinen Orang Utan zu Gesicht bekam.
    Danke für das Kompliment zur Hose 🙂

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