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Chi Phat

Kinder aus Chi Phat

Nach zwei Tagen in Phnom Penh ging es für uns am Freitag Morgen mit einem lokalen Reisebus in den Südwesten Kambodschas. Kurz nach der Abfahrt schaltete der Fahrer den Fernseher ein und es liefen die ganze Fahrt über Soap-ähnliche Musikvideos als Karaoke Version. Wir verstanden zwar kein Wort, konnten der Handlung aber recht einfach folgen. Der Bus fuhr nach Koh Kong und um Chi Phat zu erreichen, mussten wir uns vom Busfahrer auf halber Strecke in dem kleinen Ort Andong Teuk absetzen lassen. Zusammen mit uns stieg noch ein Franzose aus, der zuvor bereits 1,5 Jahre in Neuseeland und Australien unterwegs war, und wir teilten uns gemeinsam ein Taxi nach Chi Phat.

Busfahrt nach Andong Teuk

Chi Phat liegt am Rande der Kardamom Berge und die Bewohner der kleinen Gemeinde lebten bis vor ein paar Jahren noch von der Jagd und Holzverarbeitung. 2008 wurde hier mit Unterstützung der Wildlife Alliance ein Öko-Tourismus-Projekt gegründet, um Wilderei und Abholzung zu stoppen und den Bewohnern eine alternative Einnahmequelle zu ermöglichen. Zwar läuft das so genannte CBET Projekt sehr erfolgreich und die jährliche Besucherzahl stieg von 426 Touristen in 2008 auf 2315 Touristen in 2012, dennoch ist Chi Phat nach wie vor ein Geheimtipp und man bekommt als Besucher einen authentischen Einblick in den Alltag der kambodschanischen Landbevölkerung. Viele der Einwohner bieten Homestays sowie einfache Übernachtungsmöglichkeiten in Form von Guesthouses für 5$ die Nacht an und die Vergabe der Zimmer verläuft über ein Rotationsprinzip, so dass jeder im Dorf zu gleichen Teilen an dem Projekt partizipieren kann. Die Zuständigkeiten für die Zubereitung der Mahlzeiten im CBET Restaurant, die Taxifahrten und die geführten Wandertouren werden nach einem ähnlichen Prinzip vergeben. Auch lokale Geschäfte können durch den Verkauf von Waren indirekt vom Tourismus profitieren. Das gesamte Projekt machte auf uns einen sehr gerechten und gut durchorganisierten Eindruck und wir waren beeindruckt von der Transparenz in dem sonst so korrupten Kambodscha. Nach unserer Ankunft bezogen wir ein einfaches aber sauberes Zimmer in einem der örtlichen Guesthouses und buchten eine zweitägige Trekkingtour für die nächsten Tage. Den Rest des Tages verbrachten wir mit einem Spaziergang durchs Dorf und Thorsten ließ sich beim örtlichen Frisör noch die Haare für 1$ schneiden. Auf diesem Rundgang bekamen wir mal wieder die Freundlichkeit der Kambodschaner zu spüren und von überall kamen Kinder angerannt und riefen „Hello“ und „What’s your name?“.

Guesthouse Chi PhatFriseur Chi Phat

Den Wecker für den nächsten Tag stellten wir auf 6.00 Uhr, allerdings wurden wir bereits gegen 5.30 Uhr von mehreren Hähnen und zu unserer Überraschung auch lauter Musik geweckt. Wie sich später herausstellte, fand an diesem Tag im Dorf eine Hochzeit statt zu deren Anlass der Morgen traditionell mit Musik eingeläutet wird. Nach einem kurzen Frühstück im CBET Restaurant starteten wir zusammen mit Johannes, einem weiteren deutschen Touristen, unserem Guide Chom und unserem Koch Mr. Doi auf Trekkingtour. Thorsten und Johannes legten ein recht strammes Tempo vor, so dass wir nach den ersten 4 Stunden (in denen wir hauptsächlich landwirtschaftlich-genutzte Flächen durchquerten) bereits gut erschöpft waren und ein Nickerchen einlegten, während Chom und Mr. Doi unser Mittagessen vorbereiteten.

Nickerchen Trekkingtour Chi PhatMittagessen Trekkingtour

Nach der Verschnaufpause ging es weiter durch dichten Wald und über grüne Wiesen und Felder. Die Natur wurde immer ursprünglicher und unberührter bis wir gegen späten Nachmittag unser Camp für die Nacht erreichten, wo wir auf eine 7-köpfige Reisegruppe aus der Ukraine sowie auf ihre jeweils zwei Guides und Köchen trafen. Nach einem erfrischendem Bad im See, hängten wir unsere Hängematte für die Nacht auf und gönnten uns eine mitgebrachte Dose Angkor Bier. Den Abend verbrachten wir zusammen mit den Ukrainern, die uns noch ein paar hilfreiche Tipps für Indonesien gaben und nach Einbruch der Dunkelheit bezog jeder seine Hängematte.

Chi Phat: Bad im See Chi Phat: Bierchen im Camp

Mitten in der Nacht wurden wir dann von einem lauten Knarren geweckt und jeder spürte wie seine Hängematte leicht absackte. Immer mehr Taschenlampen bereiteten ihren Lichtkegel über uns aus und wir hörten die „Ahhhs“ und „Ohhhs“ unserer Guides. Der Stamm war an der Stelle, wo Thorsten’s Hängematte festgemacht war, durchgebrochen und auch wir anderen wurden dadurch zu Fall gebracht. Nach großem Gelächter bezogen alle einen neuen Schlafplatz und setzen ihren Schlaf ohne weitere Störung fort.

Auf dem Rückweg nach Chi Phat

Nach dem Frühstück am nächsten Morgen brachen wir dann alle zusammen wieder Richtung Chi Phat auf und erreichten den Ort gegen 15.00 Uhr. Wir verabschiedeten uns von unseren Guides und Mit-Wanderern und relaxten den Rest des Tages in unserem Guesthouse. Am nächsten Tag schliefen wir aus und kauften uns einen vietnamesischen Eiskaffee in einem der örtlichen Fernsehkaffees. Da der Strom im Dorf erst zum Einbruch der Dunkelheit für ein paar Stunden eingeschaltet wird, lohnt sich die Anschaffung eines eigenen Fernsehers für viele Bewohner nicht und Fernsehkaffees erfreuen sich großer Beliebtheit. Im Anschluss mieteten wir uns ein paar Fahrräder, um zum nahegelegen Badesee mit Wasserfall zu fahren. Den Abend verbrachten wir im CBET Restaurant, wo wir erneut auf Michael, dem Franzosen vom Tag unserer Ankunft, trafen.

Fernsehkaffee in Chi PhatBootsfahrt nach Andong Teuk

Gestern Morgen fuhren wir wieder nach Andong Teuk, um von dort den Bus in Richtung Koh Kong zu erwischen. Für die Abreise wählten wir die Bootstour, die zwar etwas teurer als eine Taxifahrt ist und 2,5 Stunden dauert, landschaftlich aber definitiv die schönere Strecke ist. Nachdem wir die Grenze nach Thailand (bereits zum dritten Mal) kurz hinter Koh Kong überquerten, bestiegen wir einen Minibus, der uns nach Bangkok bringen sollte. Thorsten und ich mussten leider mit zwei anderen Touristen zu Viert auf einer Dreiersitzbank sitzen und kamen nach 6 Stunden unbequemer Fahrt etwas gebeutelt in unserem Hotel in Bangkok an. Wir bleiben über meinen Geburtstag noch hier in der Stadt und fliegen am 1. März mit Air Asia nach Medan auf Sumatra, Indonesien.

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  1. Hallo liebe Karolin,
    herzlichen Glückwunsch zu deinem Geburtstag, viel Gesundheit und weiterhin viel Glück und Spass bei eurer tollen Reise. Wir verfolgen gerne eure Reise mit den interessanten Berichten. Grüße auch an Thorsten.
    Gruß Inge und Oskar

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