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Gunung Bromo und Ijen Plateau

Gunung Bromo

Am Dienstag klingelte der Wecker bereits um kurz nach Mitternacht und wenig später klopfte es an unserer Hotelzimmertür. Unser Tourguide für die nächsten zwei Tage war 30 Minuten früher als verabredet eingetroffen und wir packten in aller Hektik unsere Sachen. Kurz darauf saßen wir zusammen mit Ben und Antonia, zwei Geschwistern aus Deutschland und Lucy, einer Australierin, die als Englischlehrerin im Sultanat Brunei arbeitet in einem Minibus Richtung Gunung Bromo. Lucy hatten wir bereits im Venezia Garden in Yogyakarta kennengelernt und den vorherigen Tag im Minivan mit ihr verbracht. Zweieinhalb Stunden später erreichten wir im Dunkeln das Bergdorf Cemoro Lawang und stiegen von unserem Bus in einen Toyota Landcruiser um. Über eine Straße aus Vulkanasche ging es weitere 30 Minuten bergauf, bis wir die Spitze des Aussichtspunktes Gunung Penanjakan erreichten. Dort standen wir nun zusammen mit ungefähr hundert weiteren Touristen in der Kälte auf 3.000 Metern Höhe und warteten auf den Sonnenaufgang.

Sonnenaufgang Gunung Penanjakan

Der Sonnenaufgang ließ nicht lange auf sich warten und binnen Minuten zeichnete sich ein wunderschönes Panorama aus Vulkan- und Kraterlandschaft am Horizont ab. Am beeindruckendsten war der Blick über das nebelverhangene Tal mit dem rauchenden Gunung Bromo links und dem Gunung Batok rechts im Vordergrund, sowie dem Gunung Semeru (höchster Vulkan Javas) im Hintergrund. Nur wenige Minuten nach Sonnenaufgang bekommt man am Aussichtspunkt ein so spektakuläres Panorama geboten, denn später am Tag vernebeln Wolken die Aussicht. Die 3.000 Meter Höhe machten mir ganz schön zu schaffen, meine Hände kribbelten ununterbrochen und fühlten sich taub an. Mir war immer wieder schwindelig und ich musste mich häufiger hinsetzen.

Sonnenaufgang Gunung Penanjakan

Nach einem kurzen Frühstück ging es mit unsrem Jeep weiter ins Tal, um den Kraterrand des Gunung Bromo zu besteigen. Der Vulkan zählt zu den aktivsten Javas und brach zuletzt im November 2010 aus. Im Tal warten unzählige Pferde und ihre Besitzer darauf, die Touristen an die Treppe zum Kraterrand zu befördern, wir fünf entschieden uns allerdings dafür die recht kurze Strecke zum Kraterrand zu Fuß zurückzulegen. Oben angekommen konnte man in die qualmende Schlucht des Bromo blicken und den Blick über das fruchtbare Tal aus Vulkanasche schweifen lassen.

Vulkaninnere BromoKratertal am Bromo

Gegen neun Uhr saßen wir schon wieder im Minibus, ließen Cemoro Lawang hinter uns und fuhren weiter Richtung Osten zum Ijen Plateau. Die Fahrt, welche sieben Stunden dauerte, nutzen alle um etwas Schlaf nachzuholen und gegen Nachmittag erreichten wir unsere Unterkunft für die Nacht. Der Catimor Homestay liegt inmitten einer Kaffeplantage in einem kleinen beschaulichen Ort, wo ausschließlich Plantagenarbeiter mit ihren Familien wohnen. In dieser Region wird u.a. auch der bekannte Kopi Luwak (Katzenkaffee) aus Exkrementen von in freier Wildbahn lebenden Fleckenmusangs hergestellt, welcher weltweit als Spezialität gilt (in Deutschland kostet das Kilo zwischen 800 bis 1.000 Euro). Nach einem kurzen Spaziergang durchs Dorf, bei dem uns die Bewohner fröhlich begrüßten, zuwinkten und Fotos einforderten, genossen wir das reichhaltige Abendessen und gingen früh ins Bett, denn der Wecker für den nächsten Tag klingelte erneut mitten in der Nacht.

Dorf der PlantagenarbeiterDorf der Plantagenarbeiter

Kurz nach drei Uhr morgens standen wir auf, packten unsere Rucksäcke und tranken zu unserem Frühstück einen starken Kaffee aus den Bohnen, die auf der Plantage angebaut werden. Danach fuhren wir mit unserem Minibus zu einem Parkplatz am Fuß des Ijen-Plateaus und liefen in der Dunkelheit in Richtung Vulkan los. Am Beginn des Weges der zum Kraterrand führt, trafen wir einige Arbeiter die ihren Lebensunterhalt damit verdienen im Krater Schwefel zu fördern und in Körben vom Vulkan zu transportieren. Lucy und Ben sprechen indonesisch, einige der Arbeiter sprachen englisch und so konnten wir uns mit ihnen unterhalten und sind gemeinsam zum Krater aufgebrochen. Langsam wurde es heller und mit jeder Serpentine änderte sich der Ausblick in die Landschaft.

Wanderung auf den Kawah IdenAusblick während der Wanderung auf den Kawah Ijen

Nach ungefähr 90 Minuten erreichten wir eine Hütte an der die Arbeiter ihre Genehmigung zum Abbau des Schwefels vorzeigen müssen und an der auf dem Weg ins Tal die Bambuskörbe mit dem Schwefel gewogen werden. Jeder Arbeiter trägt pro Tour zwischen 50 und 80 Kilogramm ins Tal. Die Arbeiter bekommen einen Tagespreis pro Kilogramm Schwefel, am Tag unserer Wanderung lag dieser etwas unter 800 Rupiah (ca. 0,06 Euro). Je weniger ein Arbeiter pro Tour tragen kann, desto häufiger muss er am Tag auf den Berg, in den Krater und mit den gefüllten Körben wieder zurück ins Tal laufen. Wir haben mit einem Mann gesprochen, der viermal pro Tag Schwefel trägt, im Schnitt sind zwei bis drei Touren die Regel.

Arbeiter am Kawah IjenSchwefelwaage am Kawah Ijen

Nach einer kurzen Pause die wir zur Unterhaltung mit den Arbeitern nutzten, setzten wir unsere Wanderung fort. 45 Minuten später erreichten wir den Kraterrand und konnten von dort zum ersten Mal auf den Kratersee Kawah Ijen blicken. Der See ist mit einem stark säurehaltigen Wasser gefüllt, das ihn türkis färbt und hat eine Temperatur zwischen 35 und 45 Grad Celsius. Aus dem See  steigen unablässig Dampfschwaden auf. Zwei der Arbeiter boten uns an mit ihnen in den Krater abzusteigen, um dort den Abbau des Schwefels zu beobachten. Wir stiegen dann 30 Minuten mit ihnen über eine sehr steile und steinige Piste zur Stelle an der die heißen Schwefeldämpfe aus dem Berg schießen.

Säuresee Kawah IjenArbeiter auf dem Weg aus dem Krater des Ijen

Am Rand des Kratersees erreichten wir die Stelle, an der der Schwefel unter einfachsten Bedingungen abgebaut wird. Die heißen Dämpfe werden durch lange Rohre geleitet, an deren Ende der flüssige, rote Schwefel austritt. Nach dem Abkühlen wird er gelb und per Hand mit Eisenstangen und Steinen in große Brocken zerteilt. Wir standen einige Meter neben den Austrittsstellen des Dampfes, als der Wind drehte und wir plötzlich vollständig vom Dampf eingehüllt waren. Das Atmen fiel sehr schwer, die Augen brannten, der Geruch war unerträglich und unsere Begleiter führten uns schnell zurück in Richtung des Aufstiegs. Die beiden haben dann, als sich der Nebel etwas verzogen hatte noch Fotos mit unseren Kameras direkt an den Austrittsstellen des Schwefeldampfs gemacht. Im Anschluss stiegen wir zum Kraterrand auf und machten uns nach einer kleinen Pause auf den Rückweg zum Fuß des Vulkans.

Solfatar am Kawah IjenArbeiter am Kawah Ijen

Der Besuch des Ijen war beeindruckend, die Arbeitsbedingungen bei der Schwefelförderungen sehr bedrückend. Die Arbeiter tragen zum Teil nur Flip Flops, im besten Fall einfache Gummistiefel, es wird mit blossen Händen gearbeitet und jeder ist für seinen Arbeitsschutz selber verantwortlich. Wir haben vereinzelt einfache Atemschutzmasken gesehen, aber der überwiegende Teil der Arbeiter besitzt keine. Der Weg aus dem Krater und zum Fuß des Berges mit den schweren Schwefelbrocken ist pure Knochenschinderei. Nachts herrscht im Krater eine relative Windstille und die Schwefeldämpfe steigen senkrecht in die Höhe, daher bauen die Arbeiter den Schwefel bevorzugt in der Dunkelheit ab. Ein Taschen- oder Kopflampe besitzt fast keiner und die Schwefelbrocken werden im Mondlicht ins Tal befördert. Ich habe meine Kopflampe an einen der Arbeiter verschenkt, nachdem er mich darum gebeten hatte. Aus unserer Sicht wäre es sehr einfach die Arbeitsbedingungen für die 400 Arbeiter am Ijen zu verbessern, wieso dies nicht geschieht, können wir nicht beantworten. Die Arbeiter sterben im Schnitt zehn Jahre früher als andere Indonesier.

Fähre von Ketapang nach GilimanukAuf der Fähre nach Bali

Nachdem wir am Fuß des Vulkans angekommen waren, stiegen wir wieder in unseren Bus und fuhren in Richtung Ketapang. Dort trennten wir uns dann von unserem Tourgiude, dem Busfahrer und Lucy und liefen zu viert über den Anlegesteg zu unserer Fähre nach Gilimanuk auf Bali. Dort angekommen verabschiedeten wir uns von Ben und Antonia, fuhren mit einem öffentlichen Bus nach Permuteran und bezogen ziemlich müde unsere neue Unterkunft im Taruna Homestay. Hier bleiben wir für die nächsten fünf Nächte und wollen schnorcheln, tauchen und den Norden der Insel erkunden.

3 Kommentare

  1. Das ist nicht gut – aber zu Ostern soll es doch besser werden, oder? Wie läuft´s denn sonst so? Viele Grüße!

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  2. Pingback: Sorglos Reisen » Blog - Reiseinformation und -inspiration gleich auf den Punkt gebracht

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