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In den Flitterwochen nach Lappland

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Nachdem wir im letzten Jahr bereits ein Teilstück des südlichen Kungsleden von Storlien bis Radmundberget gewandert sind, wollten wir in diesem Jahr den weitaus bekannteren Teil des Fern-Wanderwegs in Nord-Lappland erkunden. Zwei Tage nach unserer Hochzeit am 4. Juli ging es zunächst mit dem Flugzeug nach Kiruna. Gestartet waren wir in Hamburg bei hochsommerlichen 36 Grad. Als wir ein paar Stunden später den kleinen Flughafen der nördlichsten Stadt Schwedens bei Nieselregen und 12 Grad erreichten, zweifelten wir vorerst etwas an unserer Urlaubswahl für die Flitterwochen. Viel Zeit zum Verweilen blieb jedoch ohnehin nicht, denn es sollte an diesem Tag noch ins 100 Kilometer entfernte Abisko gehen. Der nur 85 Einwohner zählende Ort befindet sich fast 200 Kilometer nördlich des Polarkreises und ist Wanderern vor allem als Ausgangs- beziehungsweise Endpunkt des Kungsledens bekannt. Wir verstauten noch schnell ein paar Gepäckstücke in Kirunas Touristen-Infozentrum, bevor wir im Zug nach Abisko saßen, wo wir für die Nacht ein Zimmer in der STF Turiststation reserviert hatten. Vor Ort angekommen, erfuhren wir dann, dass es in den letzten Wochen in der Region überdurchschnittlich kalt war und somit noch meterhoher Schnee auf dem Wanderweg lag.

Glücklicherweise hatten wir uns in letzter Sekunde dazu entschieden unser Zelt zu Hause zu lassen und in Fjäll-Stationen zu übernachten. Die extreme Wettersituation bereitete uns dennoch ein etwas mulmiges Gefühl und so starteten wir am darauffolgenden Tag mit gemischten Gefühlen auf unsere erste Tagesetappe.

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Das Ziel an diesem Tag war die nur 14 Kilometer entfernte Fjäll-Stuga Abiskojaure. Eine einfache Etappe, welche in großen Teilen durch Birkenwald führt und als Start perfekt geeignet ist, um sich an das stundenlange Wandern mit (in unserem Fall circa 15 kg) Gepäck zu gewöhnen. Die Fjäll-Stationen auf dem ersten Teilstück sind alle recht einfach gehalten: Es gibt keinen Strom, kein fließend Wasser und geschlafen wird in großen Schlafsälen. Absolutes Highlight ist die feuerbetriebene Sauna, in der sich am Abend alle Wanderer versammeln und natürlich der kleine Shop, in dem Schokoladenvorräte aufgestockt und die wohl verdienten Feierabend-Bierchen gekauft werden können. In Abiskojaure trafen wir auch viele schwedische Familien, die unterwegs mit Krakse die Station als Ausgangspunkt für Tageswanderungen nutzten.

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Am nächsten Tag lautete unser Ziel Alesjaure und wir hatten mit 22 Kilometern eine etwas weitere Etappe vor uns. Bis auf einen kurzen Regenschauer, den wir größtenteils in einer der wenigen Unterschlupf-Hütten am Wegesrand verbringen konnten, blieb es zum Glück trocken und gegen Nachmittag kam sogar die Sonne heraus. Die Wanderwege waren (wenn auch zum Teil sehr matschig) noch frei von Schnee und die Vegetation war mittlerweile sehr Fjell-typisch, sprich karg und felsig. Die Station Alesjaure liegt etwas erhöht auf einem Felsplateau und bietet somit einen fantastischen Blick auf die umliegende Berg- und Seenlandschaft. Da Anfang Juli auf dem Kungsleden noch keine Hochsaison war, teilten wir uns unseren Schlafsaal lediglich mit einer allein-reisenden Frau aus Belgien.

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Der darauf folgende Tag sollte die für uns härteste Wander-Etappe werden. Gegen 14 Uhr erreichten wir zunächst die 13 Kilometer entfernte Station Tjäktja und da wir zu dem Zeitpunkt erst wenige Schneefelder passiert hatten und die Sonne bei 20 Grad schien, entschieden wir kurzerhand noch weitere 13 Kilometer bis nach Sälka zu wandern. Der Weg nach Sälka wurde jedoch zu einer echten Herausforderung, denn auf dem Pass und höchsten Punkt des Kungsleden lag zu dem Zeitpunkt noch meterhoch Schnee, welcher bei dem schönen Wetter zu schmelzen begann. Somit brachen wir immer wieder knietief ein und das langsame Vorwärtskommen wurde zum Kraftakt. Da der Wanderweg unter den Schneemassen verschwand, folgten wir der Scooter-Markierung, was nicht ganz ungefährlich war, da sich auf diesem Weg auch Flüsse kreuzen, in die man ebenfalls hätte einbrechen können.

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Entlohnt wurden wir nach der kräftezehrenden Überquerung des Passes mit einem wunderschönen Blick ins Tal. Sälka erreichten wir dann erst gegen 21 Uhr und nach insgesamt zwölf Stunden Wanderung. Nicht nur waren wir beide völlig erschöpft, sondern hatten auch noch einen schlimmen Sonnenbrand. Den anstrengenden Tag ließen wir in der Sauna und beim Abendessen in größerer Runde mit zwei Studenten aus Schweden, einem Pärchen aus Holland sowie einer Trailrunnerin aus Stockholm ausklingen.

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Am vierten Wandertag standen zwar wieder insgesamt 25 Kilometer auf dem Programm, jedoch lag auf diesem Teilstück kein Schnee mehr und wir schafften unsere üblichen 3-4 Kilometer pro Stunde. Gegen Abend erreichten wir die Fjell-Station Kebnekaise, am Fuße des gleichnamigen höchsten Bergs Schwedens. Da die Station Ausgangspunkt für Gipfelbesteigungen ist, wo auch geführte Klettertouren angeboten werden, hält sie für Touristen allerlei Annehmlichkeiten bereit. Wir entschieden einen Tag Pause einzulegen und bezogen gleich für zwei Nächte ein Doppelzimmer. Den darauffolgenden Tag genossen wir mit allen Vorzügen der Zivilisation und freuten uns ganz besonders über das frische Salatbüffet des Restaurants, nachdem wir uns in den letzten fünf Tagen hauptsächlich von Müsli-Riegeln und Pasta ernährt hatten. In Kebnekaise trafen wir auch die schwedischen Studenten und die Trailrunnerin wieder, mit denen wir uns auf dem Trail bereist angefreundet hatten.

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Der sechste Tag war bereits der letzte Tag unserer Wanderung und führte uns ins 19 Kilometer entfernte Samen-Dorf Nikkaluokta. Einige Kilometer vor dem Dorf, mitten in der Natur befindet sich auch Schwedens einziger Rentier-Burger-Imbiss, genannt Lap Dånalds, wo wir zum Mittagessen einkehrten. Am nächsten Tag ging es per Bus-Transfer zurück nach Kiruna, von wo aus wir mit einem Nachtzug nach Stockholm fuhren. Die letzten vier Tage unserer Flitterwochen verbrachten wir in Stockholm und Umgebung.

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2 Kommentare

  1. Hallo ihr beiden!

    Wieder ein toller Reisebericht! Er hat nur einen „Nachteil“: Er animiert mich schon wieder, es euch gleich zu tun! Schweden ist eben eine Sucht. Vielleicht lasse ich das nächste Mal das Zelt auch besser zuhause!? Abenteuer hat man auch ohne genug. Vor allem, wenn im Juli mal wieder Schnee liegt! 😉

    Ich hoffe auf weitere interessante Anregungen von euch!

    Liebe Grüße
    FRanziska

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  2. Liebe Franziska,
    oh ja – Schweden ist eine Sucht und Lappland eine der schönsten Landschaften, die wir jemals durchwandern durften. Wir hätten uns also trotz anfänglicher Zweifel keinen besseren Ort für unsere Flitterwochen wünschen können.
    Dies war also definitiv nicht unsere letzte Reise in den hohen Norden 🙂
    Liebe Grüße!

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