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Jerusalem

Ölberg

Nach vier Tagen in Tel Aviv fuhren wir am Montag mit unserem Mietwagen nach Jerusalem. Die Fahrt dauerte zwar nur 1,5 Stunden, jedoch erwartete uns hier eine völlig andere Welt. Gestartet waren wir in Tel Aviv bei sommerlichem Wetter. Als wir wenig später Jerusalem erreichten, fühlte ich mich in meiner kurzen Hose plötzlich unwohl – und zwar nicht nur wegen des Temperatur-Einbruchs von mindestens zehn Grad (die Stadt liegt in den Bergen auf 800 Metern Höhe), sondern auch aufgrund der vielen kritischen Blicke von orthodoxen Juden. Schnell bezogen wir unser Zimmer im Abraham Hostel, unsere Unterkunft für die nächsten vier Tage, bevor es etwas züchtiger bekleidet auf Entdeckungstour durch die Stadt ging.

Grabeskirche

Unser erstes Ziel war die Altstadt, welche aus einem christlichen, jüdischen, muslimischen und armenischen Viertel sowie dem Tempelberg besteht. Der komplette Bereich ist umschlossen von einer Stadtmauer und durch das Jaffator gelangten wir zunächst in das christliche Viertel. Die wichtigste Sehenswürdigkeit hier ist die Grabeskirche, die sich an der überlieferten Stelle der Kreuzigung sowie des Grabes Jesu befindet. Fasziniert waren wir vor allem von der Mischung an Touristen und Pilgern: Hier treffen afrikanische Gruppen in farbenfrohen Gewändern auf orthodoxe Christen aus Russland und Studiosus-Reisegruppen auf Individual-Touristen wie uns. Die Stellen der Kreuzigung und des Salbungssteins glichen teilweise einem Jahrmarkt, wo Pilger völlig aufgeregt lautstark beteten und fotografierten.

KlagemauerMoschee

In den nächsten Tagen erkundeten wir die komplette Altstadt und statteten auch der berühmten Klagemauer sowie dem Felsendom und der Al-Aqsa Moschee auf dem Tempelberg, welcher zweimal täglich für Touristen geöffnet wird, einen Besuch ab. Durch die vielen kleinen Gassen und Geschäfte konnten wir ganz entspannt schlendern – denn anders als in Marokko oder der Türkei werden Touristen hier nicht ständig von Händlern bedrängt. Da im November anscheinend weniger Besucher als üblich in der Stadt waren (möglicherweise aufgrund der seit September verschärften Sicherheitslage), konnten wir auch den Klagemauer-Tunnel besichtigen. Dieser Tunnel befindet sich unterhalb der Altstadt, führt entlang der Klagemauer und ist fast 500 Meter lang. Die wenigen Tickets für Führungen müssen laut Reiseführer und Internet normalerweise einige Monate im Voraus reserviert werden. Wir hatten demzufolge Glück und ergatterten eine Tour für den nächsten Tag.

Tunnel

Am Donnerstag, dem Tag vor Beginn des Sabbats, füllte sich die Altstadt rund um die Klagemauer mit zahlreichen jüdischen Familien, die mit lautem Gesang und Tänzen Bar Mizwas feierten. Ein lustiges Treiben, welches wir gerne für einige Zeit beobachteten.

Bar Mizwa

Ein weiteres unvergessliches Erlebnis unseres Israel-Urlaubs war der Besuch der Holocaust Gedenkstätte Yad Vashem. Das angeschlossene Museum dokumentiert in einer architektonisch sehr beeindruckenden Galerie die Geschichte der Juden-Verfolgung in Europa. Wir verbrachten über drei Stunden in den Ausstellungsräumen und konnten in dieser Zeit schätzungsweise gerade mal ein Viertel der gesammelten Dokumentationen anschauen. Zwar waren wir im Anschluss völlig erschlagen von den vielen bedrückenden Schilderungen, jedoch war dies für mich die mit Abstand beste Museums-Erfahrung und ist ein absolutes Muss für jeden Besucher Jerusalems.

Mahane_Yehuda_Market

Unser Frühstück und häufig auch das Abendessen genossen wir auf dem Mahane Yehuda Market, welcher nur wenige Meter von unserem Hostel entfernt lag. Besonders guten Kaffee bekommt man hier bei Cafelix und das Humus schmeckt am Besten bei Manou ba shouk – ein toller Blick auf das Markttreiben ist bei beiden Lokalitäten inklusive.

Jerusalem

Unseren letzten Tag in Jerusalem starteten wir mit einer kleinen Wanderung auf den Ölberg, von wo aus sich uns ein fantastischer Blick auf die komplette Stadt bot. Der Weg dorthin führt hauptsächlich durch Ost-Jerusalem, dem arabischen Teil der Stadt. In unserem Hostel wurden wir vor Aufbruch noch darauf hingewiesen, dass es in den vergangenen Tagen hier zu Ausschreitungen zwischen Palästinensern und dem israelischen Militär kam, und wir entsprechend vorsichtig sein sollen. Grundsätzlich hat man als Tourist – wenn man wie wir auch ganz offensichtlich so aussieht – aber nichts zu befürchten. Trotz der Nachrichten von Messer-Übergriffen während unseres Aufenthalts, fühlten wir uns immer sehr sicher in der Stadt.

Am nächsten Tag ging es weiter nach Arad und ans Tote Meer, unserer letzten Station auf dieser Reise.

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