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Nordlaos: Pakbeng, Oudomxai und Nong Kiao

Oudomxai: Mekong Überfahrt

Am Sonntag fuhren wir gegen 9 Uhr mit dem Tuk Tuk  zum Fähranleger in Houay Xaj. Am Fähranleger warteten schon einige Touristen und Einheimische auf das Ablegen unseres Slowboats. Es dauerte dann allerdings noch bis 11:30 Uhr bis alle Passagiere eingetroffen sind und wir von einem „Tourismus-Guide“ darüber aufgeklärt wurden, dass an unserem Zielort Pakbeng in allen Gästehäusern außer den durch ihn vermittelten gerne geklaut wird und wir gut auf unser Gepäck aufpassen sollten. Die eindringliche Warnung trug Früchte, einige Passagiere buchten schnell noch eine Unterkunft bei ihm für „günstige“ 150.000 Kip (ca. 15 EUR). Wir sind auf das Angebot nicht weiter eingegangen und suchten uns nach der Ankunft einfach selber eine Unterkunft.

Laos: MekongLaos: Mekong

Der Mekong hat eine hohe Fließgeschwindigkeit und unser Boot wurde durch den Kapitän sicher durch kleinere Stromschnellen und Strudel gesteuert. Die Einheimischen, die mit uns an Bord waren, betrachteten uns die gesamte Fahrt lang immer wieder intensiv (vor allem wenn wir etwas aßen oder ich mir die Nase putzte) – das ist uns auf der Reise bis jetzt so noch nicht passiert. Wir legten auf dem Weg nach Pakbeng zwei kurze Zwischenstops ein, auf denen Dorfbewohner aus- und zustiegen. Die Dörfer, an denen wir anlegten, lagen immer sehr einsam.

Laos: Dorf am Mekong

Nach 6 Stunden Fahrt legten wir in Pakbeng an. Dieser Ort liegt auf halber Strecke zwischen Houay Xaj und Luang Prabang am Mekong. Pakbeng ist touristisch voll erschlossen, wobei der Großteil der Gäste immer nur eine Nacht bleibt, da die Boote auf dem Weg nach Luang Prabang hier einen Zwangsstop während der Nacht machen. Wir suchten uns schnell eine gute Unterkunft, das Monsavan Guesthouse, und deponierten unser Gepäck dort. Danach ließen wir den Abend bei einer Dose Beer Lao am Mekong ausklingen und gingen noch kurz etwas Essen. Eine loatische Spezialität ist Laap, ein Salat aus gebratenem, gehacktem Fleisch, das mit Koriander, Chilis und Limettensaft angemacht wird.

Laos: Pakbeng

Am nächsten Morgen suchten wir uns ein Songtheo zur Bushaltestelle etwas außerhalb des Ortes. Nachdem wir den Preis für die kurze Fahrt verhandelt hatten, kamen diverse Laoten mit Reissäcken, Bambustischen und anderen Gegenständen dazu und bestiegen mit uns das Fahrzeug. Es machte den Anschein als hätten sie nur auf uns gewartet. Die Bushaltestelle war dann eine Bretterbude kurz vor Pakbeng. Unser Gepäck wurde auf dem Dach des alten Toyota verstaut, die Mitreisenden, eine Mischung aus Laoten und einigen Europäern bestieg den Bus und wir fuhren los. Der Bus hatte Sitzplätze für 19 Personen, im Laufe der Fahrt waren nach diversen Stops fast 30 Personen im Bus. Fast jeder hatte einen Sitzplatz, zu diesem Zweck wurden kleine Hocker in den Gang gestellt, wenn neben den Säcken mit Lebensmitteln und Gepäck noch Platz war. Der Fahrer spielte während der gesamten Fahrt laute laotische Popmusik und die Stimmung war trotz Platznot gut (außer bei Karo). Auf der Fahrt durchquerten wir mehrere Dörfer, in denen die Menschen auf offenen Feuern vor ihren Häusern kochten. Das Vieh läuft hier frei herum, es sind immer wieder Schweine, Rinder und Hühner auf der Fahrbahn. Überall sieht man Schulkinder mit dem Fahrrad auf dem Weg zur Schule oder Kleinkinder (zumeist ohne Hose und Windel) vor den Hütten. Nach 5 Stunden kamen wir etwas gebeutelt in Oudomxai an.

Busfahrt nach OudomxaiAnkunft in Oudomxai

Dort checkten wir für zwei Nächte in der Villa Keo Seum Sack ein, buchten für den nächsten Tag eine Wandertour im lokalen Touristenbüro und brachten unsere Wäsche in die Wäscherei. Das Touristenbüro ist durch eine Kooperation des deutschen Entwicklungsdienstes (DED) mit den laotischen Behörden entstanden. Es gibt verschiedene Tourangebote, bei denen die lokale Bevölkerung über die Inhalte und Preise mitbestimmt.

Oudomxai: Fahrt nach Muang La

Dienstag Morgen brachen wir mit einem Fahrer und einer rüstigen Rentnerin, die unser Tourguide war, zu unserer Wandertour auf. Zuerst mussten wir ca. 1,5 Stunden mit einem Pickup bei Tempo 40 in Richtung Norden fahren. Die letzten 30 Minuten war die Straße dann eine Schotterpiste mit Brücken auf grob behauenen Baumstämmen. Es folgte eine Wanderung durch die Berge, die leider etwas kurz ausfiel. Die Landschaft hier ist wunderschön, in den Tälern werden Sojabohnen und Reis angebaut und dahinter erheben sich die bewaldeten Berge. Auf den Reisfelder sieht man immer wieder Wasserbüffel.

Oudomxai: Landschaft

Als Abschluss der Wandertour kamen wir in ein Dorf eines Bergstammes, der Khmu. Das Dorf hatte 30 Häuser, in denen jeweils eine Familie lebte. Die Erwachsenen waren fast alle auf den Feldern bei der Arbeit, nur einige ältere Frauen und Kinder waren im Dorf. Eine Frau, die grade vom Feld kam, lud uns ein sich mit ihr ans Feuer zu setzen. Die Menschen hier kochen ebenfalls vor ihren Häusern über dem offenen Feuer. Es wurden Maniokwurzeln und Süsskartoffeln gegart und wir unterhielten uns über dies und das. Wir wurden dann gefragt, ob wir selbstgemachten Reiswein für 30.000 Kip (ca. 3 EUR) probieren möchten. Das ließen wir uns nicht entgehen und bekamen nach dem Mittagessen einen großen Tonkrug mit Reisswein überreicht. Der Wein wird hergestellt, indem Klebreis mit Schale gekocht wird und das Ganze danach in Tonkrügen zum Fermentieren eingelagert wird. Wenn man den Wein trinken will, kippt man Wasser auf den Reis und trinkt mit einem Strohhalm aus Bambus.

Oudomxai: Dorf der KhmuOudomxai: Reiswein

Nach und nach kamen die restlichen Dorfbewohner von den Feldern und jeder durfte mal vom Reiswein kosten. Es wurde um die Wette am Strohhalm gezogen und Lieder der Khmu gesungen. Zum Abschluss unseres Besuchs musste ich dann auch noch ein Lied („Hoch auf dem gelben Wagen“) singen. Wir besuchten noch kurz die Schule des Dorfes und fuhren danach zurück Richtung Oudomxai. Nach einem kurzen Stopp an einem Tempel und auf einem regionalen Markt, auf dem Karo sich einen Sarong kaufte, hielten wir noch an einer Verkaufsstelle der Bergbewohner. Es gab verschiedene Blüten, Obst und Gemüse zu kaufen – und gegrillte Ratten, Eichhörnchen und Fledermäuse, die noch lebten. Alles etwas gewöhnungsbedürftig, aber nach einer ersten Begegnung in Oudomxai nicht mehr überraschend für uns: Dort sahen wir am Tag zuvor einen Mann, der ein lebendes Nagetier in Rattengröße mit einem Strick um Hals und Hinterkörper wie eine Handtasche bei sich hatte. Wir wir mittlerweile wissen war das eine Bambusratte die in Laos als Spezialität gilt und umgerechnet 10 EUR kostet.

Oudomxai: Dorf der KhmuOudomxai: gegrillte Ratten

Heute fuhren wir dann mit dem Bus von Oudomxai nach Nong Kiao. Der Bus war diesmal ein Kleinbus von Hyundai mit 8 Sitzplätzen, es wurden aber 10 Tickets verkauft. Die Fahrt war wieder spannend und die Straße in extrem schlechtem Zustand. Nong Kiao hat uns überrascht: Der kleine Ort liegt am Ufer des Nam Ou, über den wir in den nächsten Tagen Richtung Luang Prabang fahren wollen. Nong Kiao wird eingefasst von steilen Karstfelsen, die Stimmung ist sehr entspannt und wir sitzen grade auf unserer Veranda mit Blick auf den Fluss und das anderer Ufer.

Nong Kiao: Ausblick vom Bungalow

Bis jetzt haben wir Laos so erlebt: Die Menschen sind überwiegend sehr freundlich, wenn auch auf beim ersten Kontakt eher reserviert (das sagt man den Hamburgern ja auch nach). Das Land ist sehr arm, wir sahen in Oudomxai Fotos davon, wie das World Food Programm der Vereinten Nationen Hilfsmittel verteilte. Die Menschen sind sehr humorvoll, beispielsweise schloss in unserem ersten Bus irgendwann die Tür aufgrund der Überfüllung nicht mehr. Als sich dann alle so arrangiert hatten, dass die Tür zuging, gab es breites Gelächter und Jubel.

Oudomxai: Russischer LKW

Die Straßen sind in einem schlechten Zustand, es fährt eine nahezu unendliche Vielfalt an Fahrzeugen durch die Gegend, vom russischen LKW der nur noch aus Motor und Bremse zu bestehen scheint bis zu nagelneuen Elektrorollern mit Kindersitz aus chinesischer Fertigung. China ist hier allgegenwärtig, 350 Kilometer nördlich von Oudomxai liegt die chinesische Grenze. Laos soll im Grenzgebiet wie das chinesische Yunnan vor 50 Jahren aussehen, es gibt noch Rundbauten aus Holz und Häuser aus ungebrannten Ziegeln. Die chinesische Regierung baut hier Brücken und Straßen und ist ein wichtiger wirtschaftlicher Partner.

Wir kommen sehr schnell mit anderen Reisenden in Kontakt. Man trifft sich immer wieder und tauscht sich über Busverbindungen und lokale Besonderheiten aus. Das liegt natürlich auch daran, dass alle ähnliche Routen durch das Land wählen. Es sind viele Reisende im Alter 50+ unterwegs, wir trafen auch schon Radfahrer aus Australien und der Schweiz. Für Radtouren ist das Land wohl sehr gut geeignet, weil es nicht viel Verkehr gibt.

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