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Pemuteran auf Bali

Pemuteran: Schnorcheln

Die letzte Woche verbrachten wir in Pemuteran im Nordwesten Balis. Wir hatten ursprünglich nur für fünf Nächte ein Zimmer im Taruna Homestay gebucht, nach unserer Ankunft aber relativ schnell auf sieben Nächte verlängert. Pemuteran, welches vom üblichen Touristenrummel auf Bali bisher verschont geblieben ist, gefiel uns auf Anhieb, die Gastgeber unserer Unterkunft waren überaus herzlich und bereits bei unserem ersten Schnorchelausflug im 30°C warmen Wasser waren wir überwältigt von der spannenden Unterwasserwelt: Die letzte Woche „Strandurlaub“ verging demnach wie im Flug und wir waren heute Morgen etwas wehmütig als es weiter ins Inselinnere nach Ubud ging.

Pemuteran: Taruna Homestay

Unsere Unterkunft buchten wir einige Tage zuvor via Tripadvisor und überzeugt hatten uns die ausnahmslos positiven Bewertungen und Kommentare. Wir wurden nicht enttäuscht, denn der Familienbetrieb mit nur sieben Bungalows im Garten des Gastgebers Taruna war für uns die beste Unterkunft der vergangenen vier Monate in Südostasien. Das komplette Personal kannte unsere Namen und nahm sich immer Zeit für ein kurzes Gespräch, mehrmals am Tag wurden frische Blumen auf unser Bett gelegt und das Essen schmeckte fantastisch, war raffiniert zubereitet und wurde auf Wunsch sogar auf der eigenen Terrasse serviert. Für uns totaler Luxus zu überraschend moderaten Preisen!

Pemuteran: traditionelle Zeremonie

An unserem zweiten Tag in Pemuteran fragte uns Taruna, ob wir Lust hätten an einer traditionellen hinduistischen Zeremonie teilzunehmen. Anders als auf Java und Sumatra, wo mehrheitlich Muslime leben und man mitten in der Nacht bereits den Muezzin rufen hört, gehören über 90% der Balinesen dem Hinduismus an und es finden regelmäßig festliche Zeremonien statt. Das wollten wir uns nicht entgehen lassen und nahmen Tarunas Einladung, ihn und seine Familie zu begleiten, gerne an. Kurz vorher wurden wir von Tia, einer Angestellten noch traditionell eingekleidet (Sarong und Udeng) und wenig später saßen wir zusammen mit hundert weiteren Dorfbewohnern auf einem Hügel an einer kleinen Tempelanlage mitten im Grünen. Der Opfertisch war voller Gaben für die Götter (bestehend aus Körben mit Obst und Kuchen) und hinter dem Tempel erstreckten sich die Berge mehrere hundert Meter in die Höhe während man in entgegengesetzter Richtung den Strand und das Meer sah. Die Zeremonie dauerte ungefähr eine Stunde und die meiste Zeit über wurde ausgelassen gequatscht. Lediglich während der Gebete kehrten die Dorfbewohner in sich und es kamen Blumen und Räucherstäbchen zum Einsatz. Wir wurden dazu aufgefordert alle Abläufe gerne mitzumachen und bekamen zu unserer Überraschung im Anschluss an das Gebet auch das gesegnete Wasser zum Trinken gereicht. Mit dieser Offenheit hätten wir nicht gerechnet, denn wir wurden wie selbstverständlich in die Zeremonie mit eingebunden und waren zu keiner Zeit nur Touristen. Im Anschluss besuchten wir noch Tarunas Eltern und teilten die Opfergaben, die nach der Zeremonie von den Familien selbst verzehrt werden, untereinander auf.

Pemuteran: hinduistische ZeremoniePemuteran: Opfergaben

Ein paar Tage später kam Taruna erneut auf uns zu und sagte, dass sie am 27. März Galungan feiern und dafür traditionell am Tag zuvor ein Schwein geschlachtet wird. Wir seien herzlich zum „Schlachtfest“ eingeladen und er fragte, ob sie in der Früh an unsere Tür klopfen dürften, um uns zu wecken, wenn das Schwein getötet wird. Wir sagten erneut zu und standen am nächsten Tag um 6.00 Uhr zusammen mit der ganzen Familie hinter dem Haus, um ein schwarzes Borstenschwein sterben zu sehen. Die Hinrichtung war dann relativ brutal: Das Schwein wurde an den Vorder- und Hinterläufen zusammengebunden, ihm wurde bei lebendigem Leib die Kehle aufgeschnitten und im Anschluss hat man es (bis es sich nicht mehr bewegte) ausbluten lassen. Wir sahen dann noch wie sie das Schwein anzündeten, um die Borsten besser abschaben zu können und gingen wieder ins Bett. Das Frühstück ließen wir an diesem Tag ausfallen, denn um 11.00 Uhr servierte Taruna für seine Gäste bereits frisches Schweinefleisch in verschiedenen Variationen mit Reis.

Galungan ist eine zehntägige Festzeit an der die Vorfahren und Verstorbenen zu ihren Familien herabsteigen. Die Straßen und Häuser werden aufwendig mit dem Penjor, einem großen Bambusstab, geschmückt und während der Festzeit finden an jedem Tag Zeremonien statt. Am unserem letzten Abend in Pemuteran nahmen wir erneut an einer Zeremonie teil und diesmal versammelten sich mehrere tausend Gläubige an einem Shivatempel im Ort. Die Stimmung war erneut sehr ausgelassen, es wurden Luftballons für die Kinder verkauft und so hatte man zwischenzeitlich das Gefühl eher einer Kirmes als einer religiösen Zeremonie beizuwohnen.

Pemuteran: Galungan Zeremonie

Unsere restliche Zeit in Pemuteran nutzten wir, um im Riff in der Bucht vorm Dorf zu schnorcheln und ich (Thorsten) auch zum Tauchen. Permuteran eignet sich sehr gut zum Schnorcheln, die ersten Korallenformationen liegen in 10 Metern Entfernung zum Ufer und es wimmelt nur so von Fischen, Seesternen, Seeigeln und sogar Seepferdchen. Dazu ist das Wasser sehr warm und die Sicht häufig gut.

Schnorcheln for Permuteran

Unsere Unterkunft hatte keinen eigenen Zugang zum Strand, deswegen haben wir uns immer auf die Liegen bei der Tauchschule Reef Seen gelegt. Die Tauchschule, welche vor über 20 Jahren von dem Australier Chris Brown gegründet wurde ist ziemlich einzigartig: Chris Brown war einer der ersten, der die diversen Tauchgründe in und vor der Bucht erkundete. Er hat die lokalen Fischer nach und nach davon überzeugt die Dynamitfischerei aufzugeben, keine Meeresschildkröten zu fangen und die Riffe in der Bucht zu pflegen. Mittlerweile arbeiten viele der lokalen Fischer als Tauchguides oder Tauchlehrer und es wurden Metallkäfige in der Bucht versenkt, durch die schwache Elektrizität geleitet wird. Dadurch wachsen die Korallen, welche sich auf den Käfigen ansiedeln drei bis vier mal so schnell. Nach den Bombenanschlägen auf Bali wurde mit Geldern der australischen Regierung ein Projekt zur Pflege und zum dauerhaften Erhalt des Riffs gestartet. Die Finanzierung ist mittlerweile ausgelaufen, die Reef Gardeners of Permuteran gehen aber weiterhin ihrer Arbeit nach – das Projekt trägt sich selbst. In der Tauchschule gibt es eine Aufzuchtstation für Schildkröten, in der junge Tiere die ersten drei Monate ihres Lebens verbringen, bevor sie ins Meer freigelassen werden.

Reef Seen Dancers

Die Tauchschule ist auch Treffpunkt für eine Gruppe Jugendlicher aus dem Ort, die traditionelle balinesische Tänze lernen. Wir konnten die Aufführung der Reef Seen Dancers an einem Abend sehen und es ist wirklich beeindruckend, mit welcher Perfektion die Kinder und Jugendlichen die komplizierten Bewegungsabläufe durchführen. Chris Brown genießt großen Respekt bei den Einheimischen, das Riff in der Bucht wurde nach ihm benannt und jeder im Ort kennt ihn. Mittlerweile haben sich im Ort diverse Tauchcenter angesiedelt und viele Dorfbewohner profitieren direkt und indirekt von diesem Projekt.

Elektroschnecke

Die Tauchgänge waren toll, ich habe u.a. verschiedene Skorpionsfische, einen Riffhai und eine Art Schnecke, die Elektrizität erzeugt, gesehen. Wir haben mit anderen Gästen der Tauchschule auch an einem kombinierten Schnorchel- und Tauchausflug in den nahe gelegenen Nationalpark teilgenommen. Vom Boot konnte man Delphine sehen, leider sind die Tiere nicht näher an uns herangekommen.

Ausflug mit Reef Seen

Wir genießen jetzt die letzen zwei Tage unserer Zeit auf Bali und in Indonesien und fliegen am Samstag zurück nach Singapur. Die Zeit in Indonesien ist sehr schnell vergangen, wenn wir nicht schon ein Auto für die Zeit in Neuseeland reserviert hätten, würden wir vielleicht noch länger bleiben. Das Land ist einfach faszinierend: Die Menschen sind offen, interessiert und freundlich, die Natur vielfältig und das Reisen günstig. Wenn sich die Gelegenheit bietet, kommen wir bestimmt wieder!

4 Kommentare

  1. Hallo Karolin, hallo Thorsten,
    ich wünsche euch fern der Heimat ein schönes Osterfest und genießt euren tollen Traumurlaub. Ich verfolge immer eure Reiseberichte, die so interessant geschrieben sind. Bleibt schön gesund und genießt ……
    Gruß Inge

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    • Danke für die Osterwünsche, wir wünschen euch auch ein schönes Osterfest. Wir bekommen hier gar nichts von Ostern mit, da die Balinesen ihre eigenen hinduistischen Feste feiern. Morgen fliegen wir nach Singapur, vielleicht ist es dort etwas österlicher geschmückt.

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  2. Auch von uns liebe Ostergrüße. Bei uns hat heute der Osterhase vorab für die Enkelkinder die Eier und das Geschenk im Schnee versteckt. Morgen geht es nach Borkum, die lange Unterhose ist eingepackt. Lasst es Euch gut gehen. T. Brigitte und O. Hartmut

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    • Euch auch ein schönes Osterfest und gute Erholung auf Borkum. Für uns geht es morgen nach Neuseeland.

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