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Petersburg und Juneau

Petersburg: Sing Lee Alley

Nach drei Stunden Schlaf auf der Fährfahrt von Wrangell nach Petersburg, kamen wir am Mittwoch Morgen um vier Uhr im Hafen von Petersburg an. Nach unserer Ankunft bezogen wir direkt ein Zimmer im Scandia House. Leider gibt es in der kleinen Gemeinde von 3000 Einwohnern keine Jugendherbergen, so dass wir auf das relativ teure Hotel ausweichen mussten. Den verregneten Mittwoch verbrachten wir dann mehr oder weniger schlafend in unserem Hotelzimmer, nutzten die schnelle Internetverbindung für einige Telefonate in die Heimat, statteten dem Touristen-Informationscenter einen kurzen Besuch ab und wuschen in einem Waschsalon unsere Wäsche. Am Donnerstag erkundeten wir, wieder fit, ausgeschlafen und bei strahlendem Sonnenschein, den kleinen Ort: Petersburg wurde von einem Norweger gegründet, viele der Bewohner tragen skandinavische Namen und sind norwegischer Abstammung, und überall im Ort weht neben der amerikanischen Flagge auch die norwegische. Jeder zweite Einwohner trägt Gummistiefel (egal ob es regnet oder die Sonne scheint) und aufgrund einer großen Konservenfabrik riecht es überall im Ort nach Fisch. Im Hafen stehen fast so viele Fischkutter wie Petersburg Einwohner hat und an klaren, sonnigen Tagen kann man im Osten ein wunderschönes Panorama aus Bergen und Gletschern erblicken.

Petersburg: Hafen und Gletscher

In Petersburg mussten wir mal wieder feststellen, dass wir ohne Auto in den USA aufgeschmissen sind. Die Campingplätze und Startpunkte sämtlicher Wanderungen liegen weit außerhalb des Zentrums und es existiert kein öffentlicher Nahverkehr. So mieteten wir uns für zwei Tage ein Auto, um die Umgebung außerhalb des Ortskerns zu erkunden. Auf diversen Wanderungen liefen wir durch die sumpfigen Wälder der „Mitkof Island„, ruderten mit den kostenlosen USFS Ruderbooten über die Seen und genossen unser Frühstück und Abendessen ab sofort an einer der vielen Picknick- und Feuerstellen in freier Natur. Auch wenn es in der Region häufig nebelverhangen ist und regnet, hatten wir ausnahmslos gutes Wetter und einen freien Blick auf die Gletscher. An einem Tag sahen wir erneut Schwertwale direkt vor der Küste, zum abendlichen Lagerfeuer schwammen Robben an uns vorbei und überall in den Straßengräben versteckten sich scheue Baumstachler, die zur Familie der Stachelschweine gehören.

Petersburg: Treibholz Petersburg: Baumstachler

Unseren letzten Abend in Petersburg verbrachten wir in der Bar „Kito’s Kave„. Bis zu unserer Fährabfahrt um ein Uhr Nachts mussten wir erneut etwas Zeit totschlagen und an einem Samstag Abend ist „Kito’s Kave“ anscheinend der Platz im Ort, an dem man sich trifft. Die Bar füllte sich schnell, es wurde Karaoke gesungen und Menschen aller Altersklassen (mit und ohne Gummistiefel) trafen sich auf der Tanzfläche. Es sprach sich schnell rum, dass wir Touristen aus Deutschland sind und bis zum Ablegen der Fähre hatten wir noch einen sehr lustigen und unterhaltsamen Abend mit viel Alaskan Bier.

Die nächsten 27 Stunden verbrachten wir erneut auf der Alaska Marine Highway Fähre M/V Matanuska. Zum Glück war das Schiff erneut ziemlich leer, so dass wir unsere Isomatten und Schlafsäcke ausrollen konnten und auf dem Fußboden der Passagierlounge schliefen. Während eines Zwischenstopps in der Nacht kamen dann noch einige Jäger an Bord, die sich in ihrer Tarnkleidung ebenfalls auf den Boden der Lounge schlafen legten. Die Fähren sind die Lebensader des südöstlichen Alaska und wir mögen die Mischung aus Touristen und Einheimischen. Am Sonntag Nachmittag legte die Fähre einen dreistündigen Halt in Sitka ein. Ein Shuttlebus fuhr uns zusammen mit weiteren Passieren für eine kurze Erkundungstour vom Fährableger in die Innenstadt. Alaska wurde 1867 von Russland an die USA verkauft und den russischen Einfluss sieht man in Sitka hauptsächlich an der großen orthodoxen Kirche inmitten des Ortskerns. Leider konnten wir diese nicht von innen besichtigen, sie war verschlossen.

Juneau: Campingplatz

Um drei Uhr am Montag Morgen erreichten wir Juneau, die Hauptstadt Alaskas und unser Ziel für die nächsten Tage. Über eine günstige Autovermietung hatten wir diesmal bereits im Vorfeld einen Wagen angemietet und dieser stand dann auf dem Parkplatz des Fährablegers für uns bereit (die Tür war offen und der Schlüssel steckte). Wir fuhren zu einem Campingplatz in der Nähe des Fährablegers, bauten in der Dunkelheit unser Zelt auf und schliefen sofort wieder ein. Am Montag erkundeten wir die Innenstadt Juneaus, dessen Häuser immer noch wie in einem alten Western aussehen und bummelten durch die vielen Souvenirläden der Stadt. Unser Mittagessen ließen wir uns bei „Tracy’s King Crab Shack“ schmecken, wo die Beine der Königskrabben aus der Beringsee verkauft werden – „The Deadliest Catch“ lässt grüßen. Wir teilten uns die Beine einer halben Krabbe und uns hat es sehr gut geschmeckt!

Juneau: Königskrabben

An diesem Tag ankerten vier Kreuzfahrtschiffe im Hafen der Stadt und als die Massen an Kreuzfahrttouristen in die kleine Innenstadt strömten, machten wir uns auf den Weg zum „Mendenhall Lake Campground„. Auf diesem Campingplatz schlugen wir für die nächsten drei Nächte unser Zelt auf. Unser Stellplatz grenzte direkt ans Ufer des Gletschersees mit Blick auf das Eis, das bis in den See hineinragt. Durch die abgestrahlte Kälte war es auf dem Campingplatz gefühlte 10°C kälter als in der Stadt und wir konnten nur dick eingepackt mit Mütze und Schal schlafen.

Juneau: Mendenhall Gletscher

Etwas durchgefroren fuhren wir am nächsten Morgen ins „Heritage Café„, wärmten uns mit Kaffee auf und nutzen das kostenlose WLAN. Am Dienstag regnete es dann fast den ganzen Tag und der Himmel war nebelverhangen. Wir nutzten die Zeit zum Postkarten schreiben und um unsere Weiterreise nach Skagway zu planen. Zum Glück fanden wir in der Nähe unseres Campingplatzes einen überdachten Picknickplatz, an dem wir unser Abendessen im Trockenen kochen und ein wärmendes Feuer im großen Steinkamin entfachen konnten.

Am Mittwoch war die Sonne wieder da und wir starteten nach dem Frühstück zur einer Wanderung auf den „West Glacier Trail„. Der elf Kilometer lange Wanderweg steigt an einem Berg entlang des Mendehall Gletsches in die Höhe und bietet viele unterschiedliche Ausblicke auf das Eisfeld. Nachmittags fuhren wir erneut ins „Heritage Café“, um noch schnell eine Busfahrt von Skagway nach Whitehorse im Yukon zu buchen. Wie sich nach einer kurzen Recherche herausstellte, wird die Route allerdings seit dem 7. September von keinem der lokalen Busunternehmen mehr befahren. Zwischenzeitlich sah es so aus, als ob wir von Skagway nicht weiter nach Norden reisen könnten und wir suchten bereits nach Flügen von Juneau nach Seattle. Nach etlichen Telefonaten fand ich dann allerdings doch noch jemanden, der am Samstag Morgen nach Whitehorse fährt und uns mitnimmt. Die Touristensaison geht hier in der Region bereits Anfang September dem Ende entgegen und das individuelle Weiterreisen gestaltet sich zunehmend schwieriger. Wir hoffen auf weiterhin schönes Wetter, damit wir noch ein paar Tage in der freien Natur des hohen Nordens verbringen können.

Petersburg: Sonnenuntergang

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