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Siem Reap und die Tempelanlagen von Angkor

Angkor Wat bei Sonnenaufgang

Nachdem wir in den letzten drei Tage fast 20 der über 1.000 Tempelanlagen von Angkor besichtigten, verbringen wir den heutigen, tempelfreien Tag mit unserer weiteren Reiseplanung und erholen uns von dem straffen Programm. Die Temperaturen liegen momentan bei über 35°C, die Luft ist staubig und trocken und wir waren an jedem der letzten drei Tage 12 Stunden auf den Beinen. Aber alles der Reihe nach…

Angkor: Pre Rup

Nach unserer Ankunft in Siem Reap am Donnerstag Abend informierten wir uns in unserem Guesthouse über mögliche Tempeltouren und buchten für den nächsten Tag ein Tuk Tuk. Hong, unser Fahrer, holte uns am Freitag um 8.00 Uhr ab und wir fuhren nach einem kurzen Zwischenstopp beim Ticketschalter, wo wir ein 3-Tagesticket für je 40$ kauften, gemeinsam zur ersten Tempelanlage Pre Rup. Die Anlage wurde bereits im Jahre 962 fertiggestellt und wir waren fasziniert von der detailreichen Baukunst der Khmer, die vom 9. bis 15. Jahrhundert im Land regierten. Die Tempel sind zum Teil verschiedenen Religionen wie dem Buddhismus, dem Hinduismus oder auch einzelnen Göttern gewidmet. Es gibt aber auch Anlagen in denen die verschiedenen Religionen gemeinsam verehrt wurden und die Khmer-Könige haben dadurch eine weitgehende Vereinigung der unterschiedlichen, religiösen Bevölkerungsgruppen erreicht.

Angkor: Tuk Tuk

Auf der Landstraße ging es dann 30km weiter zum Wasserfall Kbal Spean. Nach einer ca. 40-minütigen Wanderung durch den Dschungel erreichten wir einen Flusslauf aus dessen Felsgestein heilige Lingams und Hindugottheiten im 11. Jahrhundert herausgemeißelt wurden. Die Gottheiten sollten das darüberfließende Wasser segnen bevor es seinen Lauf in die damals bis zu eine Millionen Einwohner Stadt Angkor nimmt (London hatte zur damaligen Zeit gerade einmal 0,5 Millionen Einwohner).

Angkor: Kbal Spean

Nach einem kurzen Mittagessen, bei dem Thorsten Amok (ein Fischcurry nach kambodschanischer Art) probierte, ging es weiter zur nächsten Tempelanlage Banteay Srei. Die aus rötlichem Sandstein gebaute Anlage ist reich an aufwendigen und kunstvollen Verzierungen und Szenen aus dem Ramayana, die uns in den nächsten Tagen immer wieder begegneten, schmücken die Mauern.

Angkor: Banteay Srey

Auch wenn uns die Mittagshitze an diesem Tag schon total ausgelaugt hatte, standen noch drei weitere Anlagen auf dem Programm: East Mebon, Ta Som und Preah Khan. Davon am meisten beeindruckt hat uns die Tempelstätte Preah Khan, welche als Kloster und Universität diente. Die Anlage befindet sich in einem halb verfallenen Zustand inmitten eines Dschungel, dessen Vegetation das Gestein überwuchert.

Angkor: Preah Khan

Auf dem Rückweg nach Siem Reap fuhren wir im Licht des Sonnenuntergangs noch an den bekanntesten Tempelanlagen Angkor Wat und Angkor Thom vorbei und waren total überwältigt von der majestätischen Erhabenheit dieser Bauwerke (den Besuch dieser Anlagen hoben wir uns absichtlich für den letzten Tag auf). Die meisten Touristen besichtigen lediglich diese Haupttempel aus der Blütezeit der Khmer und wir bekamen beim Vorbeifahren bereits einen ersten Eindruck vom riesigen Besucherstrom. Am Abend ging es lediglich noch in ein vegetarisches Restaurant, wo ich ein rotes Khmer Curry probierte, und im Anschluss früh ins Bett.

Angkor: Viehtransport

Am nächsten Tag starteten wir erneut um 8.00 Uhr und Hong fuhr mit uns raus aus der Stadt in Richtung des Süßwassersees Tonle Sap. Wir durchquerten kleinere Ortschaften und Reisfelder und bekamen einen Eindruck vom Land außerhalb der touristisch erschlossenen Gebiete: die Menschen sind sehr arm und leben hauptsächlich in Holzhütten ohne Elektrizität, Kinder winken einem im Vorbeifahren zu und alle sind sehr freundlich. Auf dem Programm für diesen Tag stand der Besuch eines schwimmenden Dorfes, in denen vietnamesische Seenomaden in primitiven Hütten auf Stelzen leben und sich hauptsächlich vom Fischfang ernähren. Da gerade Trockenzeit ist, ist der Wasserstand des Tonle Sap niedrig und erst mit den im Juni einsetzenden Regenfällen überschwemmt der See eine Fläche von 10.000 km2 und somit auch die Dörfer.

Floating Village Tonle Sap

Nach einer kurzen Bootstour über den Tonle Sap ging es weiter mit dem Tuk Tuk zum 70km entfernten Tempel Beng Mealea, welcher bis 2001 noch komplett vermint war. Die Straße bestand zum Großteil aus einer Sandpiste und der staubige Fahrtwind fühlte sich wie ein warmer Fön an. Nachdem wir nach 1,5 Stunden die Tempelanlage erreichten, waren wir bereits völlig verschwitzt um wenig später zu erfahren, dass die Besichtigung des Beng Mealeas hauptsächlich über zusammengefallene Steine führt. Der Tempel diente als Vorlage für Angkor Wat und sein momentaner Zustand verdeutlicht was die französischen Archäologen bei ihrer Ankunft in Angkor vorfanden. Auf dem Weg durch den Tempel verschenkten wir dann noch Sticker, die wir in Thailand gekauft hatten, an eine ganze Horde voller Kinder (nach unserer Reise durch Laos beschlossen wir für solche Gelegenheiten immer etwas zum Verschenken an Kinder dabei zu haben). Zum Abschluss des Tages besuchten wir noch zwei Tempel der Roluos Gruppe (Preah Ko und Bakong) und gingen nach dem Besuch eines mexikanischen Restaurants erneut früh ins Bett, denn den Wecker für den nächsten Tag stellten wir auf 4.00 Uhr.

Angkor: Kinder Beng Mealea

Wie schon erwähnt, hoben wir uns die bekanntesten Haupttempel von Angkor für den letzten Tag auf und engagierten für diesen Tag auch einen offiziellen Guide. Darüber hinaus entschieden wir uns für eine Sunrise Tour, bei der man Angkor Wat im Licht des Sonnenaufgangs sieht und starteten um 5.00 Uhr in der Früh. Als wir im Dunkeln Angkor Wat erreichten, standen bereits große chinesische und koranische Reisegruppen mit ihren Kamerastativen am Ufer des Tempelsees. In den letzten drei Tagen begegneten wir hauptsächlich asiatischen Touristen, die im Vergleich zu den westlichen Besuchern eindeutig in der Überzahl waren. Die Reisegruppen sind häufig sehr laut, haben eine ausgeprägte Fotomanie und man hat häufig das Gefühl in eine Klassenfahrt hineingeraten zu sein.

Besucherstrom Sonnenaufgang Angkor Wat

Der Sonnenaufgang über den fünf maiskolbenförmigen Türmen von Angkor Wat hat sich aber dennoch gelohnt und nach einem Kaffee startete die Führung durch die Tempelanlage. Neben der Erhabenheit und Komplexität des Bauwerks haben uns am meisten die detaillierten Reliefs an den Wänden mit u.a. der hinduistischen Schöpfungsgeschichte „Das Quirlen des Milchozeans“ beeindruckt.

Angkor: Das Quirlen des Milchozeans

Nach einem kurzen Frühstück ging es weiter nach Angkor Thom und zu den Tempelanlagen Bayon und Baphuon sowie zu der Elefantenterrasse und der Terrasse des Leprakönigs. Auf dem Weg dorthin erzählte uns unser Guide, dass er in Siem Reap aufgewachsen ist und die Anlagen von Angkor (auch wenn sie bis vor ein paar Jahren noch voller Minen waren) in seiner Kindheit sein Spielplatz waren. Die Tempelanlagen wurden erst in den 90er Jahren für den Tourismus geöffnet und heute kommen jährlich 3 Mio. Besucher nach Angkor. Der Bayon ist mit seinen 37 Türmen, bei denen ein Gesicht in jede Himmelsrichtung eingearbeitet ist, für mich die schönste und beeindruckendste Tempelanlage im gesamten Angkor Areal.

Angkor: Bayon

Nach dem Mittagessen ging es dann noch zu zwei weiteren Tempelanlagen (Ta Prohm und Banteay Kdei), wo u.a. auch der Film Tomb Raider mit Angelina Jolie gedreht wurde. Im Tempel Ta Prohm wurden wir von koreanischen Reisegruppen fast überrannt und auch unser Guide zeigte sich wenig begeistert von den fotowütigen Koreanern. Da es mittlerweile eine direkte Flugverbindung aus Korea nach Siem Reap gibt, kommen immer mehr koreanische Touristen nach Angkor, die ihren eigenen Guide mitbringen und dann lediglich für drei Tage im Land bleiben. Nachdem wir gegen späten Nachmittag wieder in Siem Reap waren, verabschiedeten wir uns von unserem Guide und Fahrer und ließen den Abend erneut ruhig ausklingen.

Angkor: Tourguide und Fahrer

In den letzten drei Tagen sind wir immer wieder Kindern in dreckigen Sachen und ohne Schuhe begegnet, die für 1$ Postkarten und Schmuck verkaufen und bettelnden Mienenopfern. Vor allem die extremen Unterschiede zwischen Siem Reap, wo immer mehr 4 und 5 Sterne Hotels entstehen und der Landbevölkerung, die lediglich vom Reisanbau und Fischfang lebt und trotz Armut sehr freundlich und höflich ist, sind uns aufgefallen.

Heute Abend besuchen wir noch eine traditionelle Apsara Tanzshow und morgen fahren wir mit einem Reisebus in die Hauptstadt Phnom Penh. Von dort geht es in den nächsten Tagen wahrscheinlich weiter Richtung Süden.

2 Kommentare

  1. Allerdings! Sowohl für den Fahrer als auch für uns. Wir hatten nach der Tour auch erst mal Rückenschmerzen und genug vom Tuk Tuk Fahren.

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