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Unterwegs auf dem südlichen Kungsleden

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Das schöne herbstliche Wetter nutzten wir in der letzten Woche für einen Kurztrip nach Schweden, um eine Woche auf einem Teil des südlichen Kungsleden wandern zu gehen. Wir starteten am Freitag Abend von Hamburg Richtung Östersund via Stockholm. Unser Flugzeug hebte in Hamburg mit mehr als 60 Minuten Verspätung ab und wir wussten zu diesem Zeitpunkt schon, dass wir den Anschlussflug von Stockholm nach Östersund nicht mehr erreichen würden. Auf dem Flug bekamen wir dann die Nachricht, dass ein Zimmer für uns im Flughafenhotel in Stockholm reserviert worden sei und wir auf den ersten Flug am Samstagmorgen umgebucht worden wären. Startpunkt unserer Wanderung sollte Storlien sein, ein kleiner Ort in Schweden, nahe der norwegischen Grenze. Von Östersund ist Storlien mit dem Zug in 2,5 Stunden zu erreichen und wir wollten von dort in fünf Tagen ein ca. 85 Kilometer langes Teilstück des Kungsleden wandern. Nachdem wir in Stockholm landeten, warteten wir etwas länger auf unser Gepäck und verbrachten den späten Abend im Hotel mit dem Umbuchen verschiedener Transportmittel und Hostelreservierungen.  Am nächsten morgen genossen wir das kostenlose Frühstücksbuffet, bevor wir das Flugzeug nach Östersund bestiegen.

In Östersund war unser erstes Ziel die Jugendhergerge Ledkrysset, in der wir unser Handgepäck deponieren konnten. Wir reservierten außerdem ein Zimmer für die Nacht unserer Wanderung und verbrachten den Rest des Tages bis zum Nachmittag mit einem Bummel durch die Stadt. Außerdem kauften wir eine Gaskartusche für unseren Campingkocher. Gegen 16:30 Uhr stiegen wir dann mit unserem Gepäck für die nächsten Tage in den Zug Richtung norwegischer Grenze und erreichten am frühen Abend Storlien. Storlien ist ein winziger Ort, laut Wikipedia wohnen hier 97 Menschen. Rund um den Ort stehen etliche Ferienhäuser die insbesondere im Winter genutzt werden, wenn die Schweden und Norweger hier Nordic Ski laufen oder mit ihren Schneemobilen durch die Landschaft fahren. Wir wanderten an diesem Abend noch vier Kilometer Richtung Westen und verbrachten den Abend in der Jugendherberge Storliens Fjällgård. Dort bezogen wir ein kleines Zimmer mit Stockbetten im Nebengebäude der Jugendherberge.

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Am nächsten Morgen ging es dann endlich richtig los: Auf dem Gelände der Jugendherberge beginnt der südliche Teil des Kungsleden. Der Kungsleden (Königsweg) ist ein Fernwanderweg, der zu Beginn des 20 Jahrhunderts vom schwedischen Wanderverein STF eröffnet wurde. Der bekanntere Teil des Wegs führt auf 440 km oberhalb des Polarkreises durch Lappland, wir hatten uns für den weniger bekannten, „südlicheren“ Teil entschieden, der auf insgesamt 350 km Länge von Storlien nach Sälen führt. Entlang des gesamten Kungsleden liegen sowohl einfache Hütten als auch sehr komfortabel ausgebaute Fjällstationen, die man zur Übernachtung nutzen kann, alternativ kann man an den Stationen auch zelten und die sanitären Einrichtungen nutzen.

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Da wir uns über die Ausstattung der Hütten und die Einkaufsmöglichkeiten im Vorfeld nicht klar waren, hatten wir unsere Rucksäcke so gepackt, dass wir eine Woche ohne Kontakt zur Zivilisation auskommen konnten. Neben der Verpflegung packten wir auch unser Zelt, Schlafsäcke und Isomatten ein. Karos Rucksack wog 16 Kg, ich durfte 20 Kg durch die Wildnis tragen.
Die erste Tagesetappe führte zunächst durch eine leicht bewaldete Landschaft, der Boden war mit Gras und Moosen bedeckt und sehr nass. Gleich zu Beginn des Tages versackte ich bis über die Knöchel im feuchten Boden und die korrekte Routenführung auf unserer Wanderkarte bereitete uns zunächst Probleme. Nach einiger Zeit haben wir dann den richtigen Weg gefunden und sahen bald die ersten Rentiere auf den Hügeln vor und neben uns.

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Bald erreichten wir dann die Stelle, an der der Wanderweg aus dem flachen Land langsam und stetig auf über 1100 Meter über dem Meeresspiegel ansteigt. Die Vegetation wurde spärlicher und wir kamen im Sonnenschein ins schwitzen. Nach ungefähr fünf Stunden rasteten wir in einer kleinen Schutzhütte. Diese Hütten stehen entlang vieler Wanderwege im Fjäll und sind immer mit einem Ofen, Brennholz und einem Nottelefon ausgerüstet. Übernachtungen sind hier verboten, zum Rasten bieten die Hütten einen guten und trockenen Platz und erinnern einen daran, dass sich das Wetter in dieser Gegend schnell ändern kann.

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Am Horizont konnten wir schon unser Tagesziel erkennen, die Fjällstation Blåhammaren. Wir stiegen die letzten 150 Höhenmeter auf, meldeten uns in der Fjällstation an, bauten unser Zelt auf und gingen in die Sauna – ein willkommener Luxus nach dem Wandertag. Die Fjällstation Blåhammaren liegt auf 1100 Metern Höhe und wird, wie die anderen Stationen per Hubschrauber versorgt. Zu unserer Überraschung stellten wir fest, dass es einen kleinen, gut sortierten Shop mit Lebensmitteln und Outdoorzubehör gab, natürlich zu höheren Preisen als im normalen Supermarkt. Es gab sogar die Möglichkeit verschiedene Menüs und Bier- bzw. Weinsorten für das Abendessen zu bestellen – wir versorgten uns allerdings in der Gästeküche selber, unsere Rucksäcke sollten leichter werden. Unser Abend endete dann mit einem wunderschönen Sonnenuntergang über dem Fjäll und wir schliefen tief und fest. Am nächsten Morgen wachten wir im Nebel auf und frühstückten auf einem Felsen neben unserem Zelt. Nach dem Frühstück packten wir unsere Rucksäcke und verließen die Fjällstation in südlicher Richtung.

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Die nächsten Tagen verliefen immer nach demselben Schema: Aufstehen, frühstücken, 4-5 Stunden wandern, eine Rast einlegen und danach die letzen Kilometer bis zum Tagesendpunkt wandern. Dort gingen wir, wenn vorhanden, in die Sauna, kochten uns danach ein Abendessen und fielen erschöpft und ausgeglichen ins Bett bzw. auf die Isomatten. Zwei Nächste verbrachten wir im Zelt und zwei Nächte im Matratzenlager einer Fjällstation bzw. Fjällhütte.

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Die Wanderung durch die karge und wunderschöne Landschaft macht den Kopf frei. Jeder kann in seiner eigenen Geschwindigkeit laufen, man verliert sich trotzdem nicht aus den Augen. Das Wetter schwankte zwischen Sonnenschein und Regen, die meiste Zeit hatten wir jedoch Glück und es war trocken und nicht zu warm.

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Am dritten Tag und auf unserer längste Tagesetappe von 21 Kilometern hörte ich plötzlich ein schnalzendes Geräusch: die Sohle meines rechten Wanderstiefels hatte sich bis zur Mitte des Schuhs gelöst und baumelte unter der  Zwischensohle! Wir hatten noch knappe 15 Kilometer Weg vor uns, der Boden war glitschig und ich hatte kein weiteres paar Schuhe dabei. Zum Glück gelang es mir die Sohle mit einem Stück Reepschnur provisorisch zu befestigen, die Konstruktion hielt auch bis kurz vorm Ende des Wandertages. Ich sah mich schon mit dem Hubschrauber ausfliegen, konnte aber auf der Fjällstation Helags am Abend zum Glück Kleber kaufen, die Sohle wieder fixieren und den Kleber bis zum nächsten Morgen trocknen lassen. Die Nacht verbrachten wir dann in dem schon erwähnten Matratzenlager und bereuten dies nicht: Nachts wehte ein starker Wind entlang des nahegelegenen Gletschers und es regnete. Wir lernten Abends in unserer Unterkunft noch zwei schwedische Studentinnen und einen Deutschen kennen und unterhielten uns beim Abendessen im Kerzenschein sehr nett.

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Unsere letzte Nacht auf der Wanderung verbrachten wir dann in der Fjältjägarenhütte. Diese Hütte liegt oberhalb eines kleinen Sees, hat keinen Stromanschluss und wird mit Holz beheizt. Wasser holt man mit einem Eimer aus dem See und es gibt einen gasbefeuerten Herd. Wir teilten uns unseren Raum in der Hütte mit einem Franzosen, der den südliche Kungsleden wanderte um die Strecke für einen Trailrunninglauf kennen zu lernen. Beim Trailrunning laufen die Wanderer mit extrem leichtem Gepäck und Sportschuhen, es ähnelt eher dem joggen als dem wandern. Der Franzose recherchierte jetzt den genauen Zustand des Wegs und führte ein exaktes Laufbuch, in dem er alle Kilometer, Höhenangaben und den Zustand des Wegs aufführte.

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Am fünften Wandertag beendeten wir unsere Wanderung  in Ramundberget. Der Wanderweg führte uns auf den letzten Kilometern zurück aus dem Fjäll ins Tal und die bewaldeteren Regionen. Wir fuhren mit dem Bus zurück nach Östersund, übernachteten in der Jugendherberge und stiegen am nächsten Morgen in den Zug nach Stockholm. Dort verbrachten wir dann noch zwei Nächte in der Jugendherberge Zinkendamm und genossen die Stadt. Insgesamt sind wir ungefähr 90 Kilometer gewandert und haben 3200 Höhenmeter hinter uns gebracht.Wir sind bis jetzt in Schweden noch nicht wirklich gewandert die Infrastruktur ist aber hervorragend und wir kommen bestimmt noch mal zurück – dann vielleicht auf den nördlichen Teil des Kungsleden.

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2 Kommentare

  1. Hallo Karo und Thorsten!

    Was für ein informativer und begeisternder Bericht – vor allem, da ich selbst gerade diese Tour plane! Durch euch habe ich noch mehr Hintergrundinfos und auch die Fotos von den Hütten haben mir gezeigt, was ich mir darunter vorstellen kann. Ich freue mich jetzt noch mehr auf die Tour, die im Juli ansteht!

    Habt ihr wieder mal eine Tour mit dem Rucksack und Zelt gemacht?

    Liebe Grüße
    Franziska

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    • Hallo Franziska,

      schön, dass dir unser Artikel gefallen hat! Wir werden diesen Sommer auf dem nördlichen Kungsleden von Abisko nach Nikkaluokta wandern, mit Zelt, Sack und Pack. Wir hoffen auf gutes Wetter und schneefreie Pässe 😉 – vielleicht gibt es danach auch wieder einen Reisebericht an dieser Stelle.

      Die Wanderung wird dir gefallen, die Natur ist großartig und die Hütten sind super!

      Viel Spaß und beste Grüße
      Thorsten

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