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Von Port Hardy nach Prince Rupert

Museum of Anthropology

Wir sind gerade auf der Alaska Marine Highway Fähre M/V Matanuska, haben Kanada bereits hinter uns gelassen und sind auf dem Weg nach Wrangell in Alaska. Die Fahrt von Prince Rupert nach Wrangell dauert 14 Stunden und ich nutze sie für einen weiteren Blogeintrag. Nachdem wir uns am Samstag von Sebastian und Anika am Flughafen verabschiedet hatten, verbrachten wir die Nacht auf einem Campingplatz außerhalb Vancouvers. Unser komfortables „Zuhause“ der letzten zehn Tage gaben wir am Sonntag Morgen am Depot wieder ab und ließen uns vom Vermieter zu einem Hotel in Downtown Vancouver bringen. Den Nachmittag verbrachten wir auf dem Campus der Universität im „Museum of Anthropology„, wo hauptsächlich Schnitzereien und Totempfähle der Ureinwohner Nordamerikas und insbesondere der Haida ausgestellt werden. Auch das Archiv des Museums ist für alle Besucher frei zugänglich und die Exponate aus Asien und dem Südpazifikraum erinnerten uns an unsere Zeit in diesen Regionen.

Am Montag klingelte der Wecker bereits um fünf Uhr und mit einem Taxi fuhren wir zum Bahnhof der Fernbusstation Greyhound. Der Bus brachte uns auf einer zehnstündigen Fahrt nach Port Hardy ganz im Norden von Vancouver Island. Die Strecke zwischen Vancouver und Nainamo auf Vancouver Island legten wir wieder mit der Fähre zurück. Später fuhren wir erneut durch Qualicum Beach, wo wir vor zwei Wochen schon einmal mit Anika und Sebastian einen Zwischenstopp eingelegten. Nördlich von Campbell River wurde es sehr einsam und die wenigen Orte an denen der Bus hielt, bestanden nur noch aus ein paar Häusern. In Port Hardy angekommen, bezogen wir unser Zimmer im „North Coast Trail Hostel„, unserer Unterkunft für die nächsten zwei Nächte. Wir hatten eigentlich zwei Betten im Schlafraum gebucht, bekamen dann aber netterweise ein Doppelzimmer zum selben Preis angeboten. Wie sich später herausstellen sollte, war das Bett im Doppelzimmer leider das unbequemste unserer bisherigen Reise.

Port Hardy: Weißkopfseeadler

Am Dienstag erkundeten wir den kleinen Ort Port Hardy, liefen durch eine etwas heruntergekommene Siedlung der Ureinwohner und besuchten den Hafen, wo wir etliche Weißkopfseeadler beobachteten. Am San Josef River etwas außerhalb des Zentrums konnten wir erneut Lachse bei ihrer Wanderung stromaufwärts beobachten. In der Nähe des Flusses leben auch viele Schwarzbären, die sich auf unserer zweistündigen Wanderung leider nicht zeigten. Ein holländisches Paar, welches mit uns im Hostel übernachtete, hatte mehr Glück und zeigte uns seine Fotos und Videos eines jungen Bären.

Port Hardy: Fähre Inside Passage

Am Mittwoch klingelte der Wecker wieder mitten in der Nacht und zusammen mit etlichen weiteren Touristen fuhren wir um fünf Uhr in einem Schulbus zum Fähranleger der bekannten Inside Passage nach Prince Rupert. Diese Route fahren auch viele Kreuzfahrtschiffe und bei der Fahrt durch die Fjorde durchquerten wir wunderschöne Küstenlandschaften mit dichtbewachsenen Nadelwäldern, Wasserfällen und Gletschern. Die Fähre war relativ leer, so dass wir einen Platz vor einer Panoramascheibe ergattern konnten. Bereits kurz nach dem Ablegen der Fähre sahen wir die ersten Buckelwale vorbeischwimmen. Auf der 15-stündigen Fahrt bei strahlendem Sonnenschein gab der Kapitän über Lautsprecher immer bekannt, wenn Wale unseren Weg kreuzten. Ein gelungener Abschluss der Fahrt war dann der wunderschöne Sonnenuntergang, welcher den Himmel leuchtend rot färbte.

Inside Passage FähreSonnenuntergang Inside Passage

Gegen 10.30 Uhr erreichten wir Prince Rupert, wo wir zusammen mit vielen bekannten Gesichtern aus Port Hardy vom „Backpackers Pioneer Inn“ abgeholt wurden. Wie fielen in einen Tiefschlaf und erwachten erst elf Stunden später. Den Vormittag nutzten wir dann für ein leckeres Frühstück in einem Café namens Cowpuccino in der Cow Bay.

Prince Rupert: Pioneer Inn

Den weiteren Tag nutzen wir hauptsächlich zur weiteren Reiseplanung: Unser ursprünglicher Plan war mit der Fähre zur Insel Haida Gwaii zu fahren und die verlassenen, traditionellen Dörfer der Haida zu besichtigen. Nach einer längeren Recherche stellte sich dann allerdings heraus, dass man um die kulturellen Stätten zu besichtigen viel Geld und Zeit investieren muss. Wir verwarfen diesen Plan also wieder und entschieden uns für eine Fahrt mit den Fähren des Alaska Marine Highway durch den zerklüfteten Südosten Alaskas. In diesem Teil des Landes existieren keine längeren Straßenverbindungen und die einzigen Verkehrsmittel sind Boote, (Wasser-) Flugzeuge und die staatlich geförderte Fährverbindung über den Marine Highway. Nachdem wir uns Klarheit über den komplizierten Fahrplan verschafft hatten, buchten wir folgende Verbindungen: Von Prince Rupert nach Wrangell, von Wrangell nach Petersburg, von Petersburg nach Juneau und von Juneau nach Skagway. Wir werden ungefähr zwei Wochen im Südosten Alaskas verbringen und dann über Skagway wieder nach Kanada einreisen. Nachdem der grobe Reiseplan für die nächsten Wochen feststand, buchten wir noch ein Bed & Breakfast für die erste Nacht in Wrangell und den Boottransport sowie zwei Übernachtungen in der Anan Bay Cabin. Diese abgelegene Hütte, die von der staatlichen amerikanischen Forstverwaltung USFS vermietet wird, liegt direkt am Wasser. Die Hütte hat keinen Strom oder Wasseranschluss, aber in der Nähe befindet sich eine Aussichtsplattform, von der aus man Braun- und Schwarzbären aus sicherer Distanz beobachten kann.

Prince Rupert: Metlakatla Trail

Gestern unternahmen wir an unserem letzten Tag in Prince Rupert noch eine Wanderung auf dem 20 Kilometer langen Metlakatla Trail. Dazu mussten wir Morgens um 8 Uhr die öffentliche Fähre nach Metlakatla nehmen, dort emfing uns ein Gemeindemitarbeiter und infomierte uns über die Besonderheiten des Wanderwegs. Wir waren die einzigen Touristen, die an diesem Morgen auf die Wanderung gingen und genossen die Einsamkeit und das schöne Wetter in den Wäldern und entlang der Strände. Höhepunkte auf dem Wanderweg waren ein Aussichtsturm, der einen Ausblick auf Höhe der Baumwipfel ermöglichte, sowie drei Hängebrücken über Flüsse, die den Weg kreuzten. Am späten Nachmittag fuhren wir mit der Fähre zurück nach Prince Rupert und kauften Vorräte für die nächsten Tage in Wrangell ein. In dem kleinen Ort ist der Supermarkt am Sonntag geschlossen und wir werden Wrangell erst am Samstag Abend erreichen. Sonntag Vormittag wird uns ein lokales Bootsunternehmen in die Anan Bay Cabin bringen und wir freuen uns auf die kommenden Nächte in der Natur.

Prince Rupert: Metlakatla Trail

2 Kommentare

  1. Hi, es ist toll zu lesen, dass ihr noch so tolle Sachen erlebt (leider ohne uns).
    Wir sind gedanklich noch nicht ganz hier angekommen, was ja für einen tollen Urlaub spricht. Habt noch viel Spaß und …Achtung vor den Bären 😉 Ihr werdet sie sicher noch sehen. LG aus dem ca. 8000 km entfernten Göttingen. Sebastian u. Anika

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    • Hallo, wir sind zurück aus der Wildnis und haben jede Menge Schwarz- und Braunbären gesehen. Das war so aufregend! Fotos und der neue Reisebericht folgen bald. Lasst es euch gut gehen! Lg

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