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Wanaka, Queenstown und Arrowtown

Neuseeland: Postum-Fell im VW-Bus

Vor unserer Abreise aus Haast in der letzten Woche legten wir noch einen Zwischenstopp in einem Geschäft ein, welches sich auf Artikel aus Merinowolle und Possumfellen spezialisiert hat. Possums sind Beutelratten, die in den 1930er Jahren aus Australien nach Neuseeland eingeführt und ausgewildert wurden, um sie zu jagen und eine Fellindustrie aufzubauen. Der Possum-Fellmarkt entwickelte sich dann anscheinend nicht so wie erwartet und die Tiere vermehrten sich stark, auch weil sie in Neuseeland keine natürlichen Feinde haben. Die Tiere fressen Vogeleier und Küken und sind dadurch eine elementare Bedrohung für viele Vögel Neuseelands geworden. Das Possum ist durch sein Verhalten bei den Neuseeländern nicht grade beliebt und es gilt der Grundsatz „Nur ein totes Possum ist ein gutes Possum“. Die Jagd auf das Possum wird als aktiver Artenschutz verstanden und wir unterstützen diesen Schutz aktiv. Die Haare des Possumfells werden mit Merinowolle zu einem sehr warmen Mischgewebe verarbeitet und ich bin jetzt Besitzer einer Jacke aus diesem Mischgewebe. Ausserdem erwarben wir ein Possumfell das unser neues Maskottchen ist und auf dem Armaturenbrett wohnt.

Neuseeland: Aale im Wanaka-See

Von Haarst fuhren wir darauf durchs Hochland nach Wanaka am gleichnamigen See. Nach unserer Ankunft erkundeten wir zuerst das Zentrum der Kleinstadt, in der es diverse Sport- und Aurüstungsläden sowie kleine Restaurants gibt. Von einem Steg am See beobachteten wir große Aale, die von Kindern gefüttert wurden.

Neuseeland: Campingplatz am Lake Outlet

Wir erledigten unsere Einkäufe im ersten großen Supermarkt seit Greymouth und fuhren danach zu einem Campingplatz, der etwas außerhalb des Zentrums direkt am Seeufer liegt. Dort bezogen wir einen wunderschönen Stellplatz in leichter Hanglage, von dem sich eine toller Blick auf den See und die dahinter liegenden Berge bot.

Neuseeland: Wanderung zum Roy´s PeakNeuseeland: Wanderung am Roy´s Peak

Am nächsten Vormittag fuhren wir mit unserem Bus zum Ausgangspunkt einer Wanderung auf den Roy´s Peak. Wir erreichten den Gipfel des Berges auf 1.578 Metern Höhe nach über drei Stunden Wanderung, die uns in weiten und steilen Serpentinen über Schafweiden führte. Die Aussicht in das Hochland und auf die umliegenden Berge wurde spektakulärer je höher wir kamen. Auf dem Gipfel war die Luft aufgrund der Höhe und eines leichten Windes viel kühler als im Tal und wir mussten wärmere Kleidung anziehen. Nach einem kurzen Aufenthalt auf dem Gipfel traten wir den Weg zurück zum Parkplatz an, der wieder knappe drei Stunden dauerte, die 1.200 Höhenmeter zurück ins Tal führte und wir erreichten unseren Bus total erschöpft. Die Neuseeländer sind sehr sportbegeistert, in jeder Kleinstadt finden sich Sportgeschäfte und Outdoorläden. Auch auf dem Weg des Roy´s Peak überholten uns mehrfach Einheimische, eine Frau joggte sogar auf dem steilen Serpentinenweg. Auf dem Rückweg zum Campingplatz haben wir noch einen Anhalter aus England mitgenommen, der nur zum Wandern nach Neuseeland gekommen ist. Danach ging der Tag schnell bei einem Glas Weisswein zu Ende.

Neuseeland: Am Gipfel des Roy´s Peak

Am nächsten Tag fuhren wir weiter in südliche Richtung nach Queenstown. Die Stadt gilt als das Adrenalin-Mekka in Neuseeland und es gibt unzählige Anbieter, die Bungee-Jumping, Sky-Diving und Jetboot-Fahrten anbieten. Wir hatten keinen Bedarf an diesen Unternehmungen und pflegten unseren Muskelkater erst einmal bei einem Kaffe im touristisch voll erschlossenen Zentrum der Stadt. Wir sind noch ein bisschen durch die Geschäfte geschlendert und gegen Nachmittag in Richtung Arrowtown gefahren, das nur 25 Kilometer von Queenstown entfernt liegt.

Neuseeland: Hauptstraße von ArrowtownArrowtown: Dudley´s Cottage

Das Örtchen Arrowtown wurde 1860 zum Ziel von hunderten Goldsuchern, nach dem das Edelmetall im Arrow River entdeckt worden war. Die Hauptstraße sieht immer noch wie in einem Western aus und im Moment findet das Arrowtown Autumn Festival statt, bei dem verschiedene Wettbewerbe im lokalen Pub, Stadtführungen und ein „Pints and Pie“-Festival veranstaltet werden. Jetzt zur Nebensaison wirkt der Ort etwas verschlafen, es hat uns hier sofort gefallen und wir beschlossen für zwei Nächte auf einem Campingplatz in fußläufiger Entfernung zum Zentrum zu bleiben. Den Rest des Sonntags verbrachten wir, noch etwas angeschlagen von unserer Gipfelbesteigung am Tag zuvor mit einem Bummel durch das Zentrum Arrowtowns und Abends auf dem Campingplatz. Am Montag umrundeten wir auf dem Sawpit-Gully-Trek in drei Stunden einen Hügel, der als German Hill in der Landkarte eingezeichnet ist. Der Herbst lässt die Bäume hier in allen Farbschattierungen leuchten, es wachsen Pilze und die Luft ist frisch.

Neuseeland: Herbst in Arrowtown

Nach der Wanderung haben wir noch das hervorragende Heimatmuseum besucht, die ehemalige chinesische Siedlung des Ortes besichtigt, sind Abends essen gegangen und haben uns im kleinen Kulturkino den Film „Amour“ angeschaut – zusammen mit zwei Leuten aus dem Ort.

Heute brachen wir in Richtung Te Anau auf, das noch weiter im Süden und schon im entlegenen Fjordland liegt. In Queenstown besuchten wir auf dem Weg noch einen lokalen Vogelpark, in dem wir unter Rotlicht in einer speziellen Anlage das neuseeländische Wappentier, den Kiwi bestaunen konnten. Der Kiwi ist aufgrund verschiedener eingeschleppter Säugetiere, wie dem Possum und Mardern vom Aussterben bedroht und die Tiere werden in einem speziellen Programm gezüchtet und in der Natur ausgesetzt, wenn sie groß genug sind. Es gab auch noch andere Volieren und der sonnige Vormittag verging im Vogelpark sehr schnell.

Neuseeland: Campingplatz am See nördlich von Ta Anau

Jetzt stehen wir hinter Te Anau auf einem Campingplatz am Seeufer im Wald. Wir wollten hier im Süden eigentlich eine mehrtägige Wanderung auf dem Kepler-Track unternehmen, aber die Wettervorhersage, die Verfügbarkeit von Betten auf dem Trek und unsere Zeitplanung machen uns einen Strich durch die Rechnung. Wir fahren morgen also weiter, bald erreichen wir dann den südlichsten Punkt Neuseelands.

Wir sind jetzt genau ein halbes Jahr unterwegs! Wir genießen die Zeit immer noch, merken mittlerweile auch, dass wir uns für bestimmte Dinge länger Zeit nehmen und wie wir uns verändert haben. Heimweh kommt immer mal wieder auf, aber die Lust zu neuen Zielen aufzubrechen ist immer noch größer.

P.S.: Es ist jetzt schon Mittwoch morgen und wir haben uns aufgrund des Wetters (tief hängende Wolken und vorhergesagte Schauer am Nachmittag und an den nächsten Tagen) dazu entschieden nach Bluff zu fahren. Dort lassen wir unseren Bus stehen und fahren mit der Fähre nach Steward Island, auf der Insel gibt es eine Wanderroute die zu den Great Walks gehört, den Rakiura Track. Für die nächsten Tage ist dort besseres Wetter als hier im „Norden“ angesagt und wir werden dort drei Tage von Hütte zu Hütte wandern.

3 Kommentare

  1. Was wird denn aus dem Possumfell, wenn Ihr VW-Ella wieder abgeben müßt?
    Kommt es dann an den Rucksack?

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    • Das war auch mein Vorschlag, aber Karo findet das modisch nicht passend. Wahrscheinlich bekommt das Maskottchen eine Europa-Reise per Luftpost spendiert und hängt dann in Zukunft auf unserem Sofa in Hamburg rum 🙂

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  2. Also da bin ich gespannt, ob das dem Innendesigngeschmack der weiteren Mitbewohner entspricht!

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