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Wellington und Whanganui River

Neuseeland: Interislander-Fähre in Picton

Letzten Mittwoch verbrachten wir unsere letzte Nacht auf der Sündinsel auf einem DOC-Campingplatz in den Marlborough-Sounds. Der Platz lag direkt an einem der Fjorde und bot einen wunderschönen Blick auf das Wasser. An unserem letzten Abend genossen wir frische Grünlippmuscheln, die wir zuvor in Havelock (dem selbsternannten „Greenlip Mussel Capital of the World“) kauften und eine Flasche Sauvignon Blanc, vom Seifried Weingut, die wir nach einer Weinprobe in der Nähe von Nelson erstanden. Also ein gebührender Abschied von der landschaftlich wunderschönen Südinsel Neuseelands. Am Donnerstag setzten wir dann mit der Interislander-Fähre von Picton nach Wellington über und ließen die Südinsel hinter uns. Die Fährfahrt war schön, zu Beginn schien sogar noch die Sonne und wir konnten die Ausfahrt aus den Sounds an Deck genießen.

Neuseeland: Fahrt durch die Marlbourough Sounds

Nach vier Stunden Überfahrt legten wir in Wellington auf der Nordinsel Neuseelands an – und es regnete. Abends sind wir noch kurz durch die Stadt gelaufen und waren von den „Menschenmassen“ und dem „Großstadtfeeling“ erschlagen – und das obwohl im Ballungsgebiet von Wellington nur 500.000 Einwohner leben und die Stadt eigentlich sehr übersichtlich ist. Für uns war dieser Abend in Wellington der erste Kontakt mit einer europäisch wirkenden, größeren Stadt seit über sechs Monaten und die Umstellung brauchte ein wenig Zeit.

Nach einer Nacht auf einem Campingplatz etwas außerhalb der Stadt fuhren wir am Freitag Morgen ins Zentrum. Frisch ausgeschlafen wirkte die Stadt dann auch gleich viel einladender. Es regnete jedoch stark und wir entschlossen uns dazu den Tag im Neuseeländischen Nationalmuseum Te Papa zu verbringen. Im Museum werden in verschiedenen Bereichen viele Aspekte der Geologie, Flora und Faune, sowie der bikulturellen Geschichte des Landes veranschaulicht. Der Eintritt in Museen ist in Neuseeland kostenlos und da wir uns in der zweiten Woche der Herbstferien befanden, liefen überall Kinder jeglicher Altersklassen durch die Ausstellung. Die Ausstellungen sind sehr interessant aufbereitet, zu vielen Exponaten lassen sich auf Computerterminals Informationen abrufen und wir verbrachten den gesamten Tag im Museum. Abends hörte es auf zu regnen und wir konnten trocken bis zum unserem Bus laufen, den wir auf einem Wohnmobilstellplatz direkt am Hafen von Wellington abgestellt hatten.

Neuseeland: Museum Te Papa in WellingtonNeuseeland: Museum Te Papa in Wellington

Samstag Morgen fuhren wir mit dem Wellingtoner Cablecar zum botanischen Garten, der auf einem Hügel über der Stadt liegt. Durch den Garten konnten wir dann einen schönen Spaziergang in strahlendem Sonnenschein zurück in die Stadt unternehmen und verbrachten den Rest des Tages mit einem Bummel durch die Geschäfte und verschiedene Buchhandlungen. Wir suchen immer noch nach einem guten und aktuellen Reiseführer für die Cookinseln und durch die geografische Nähe gibt es hier mehr Informationen als in Europa. Den Abend verbrachten wir in einem Programmkino mit dem Film „The world in two Roundtrips“, der im Rahmen des Reel Brazil Filmfestivals gezeigt wurde. Der Dokumentarfilm begleitet eine brazilianische Familie bei einer Weltumrundung im Jahr 1997 auf der Route Magellans. Die Familie Schürmann umrundete vorher schon einmal die Welt, auf einer 10 jährigen Reise von 1984 bis 1994.

Neuseeland: Blick auf Wellington vom botanischen Garten

Sonntag liessen wir Wellington hinter uns, um wieder in etwas einsamere Regionen zu fahren. Am Abend sind wir in Ohakune, einer kleinen Stadt in der Mitte der Nordinseln angekommen. Okahune liegt nah am Tongariro Nationalpark, einem der ältesten Nationalparks der Welt und dem ältesten Neuseelands. Am Rand des Nationalparks fließt der Whanganui River, der längste schiffbare Fluss Neuseelands. Wir wollten eine mehrtägige Kanutour auf dem Fluss unternehmen und haben nach kurzer Suche einen Anbieter im Ort gefunden, der noch Touren anbot. Nachdem wir dort ein Boot und wasserdichte Behälter für eine dreitätige Tour gemietet hatten, deckten wir uns mit Proviant ein und kauften noch Übernachtungspässe für zwei Hütten entlang des Flusses. Die Hütten stehen, wie auf den Wanderrouten, immer offen, haben einfache Betten und einen Ofen mit Feuerholz.

Neuseeland: Einweisung für die Tour auf dem Whanganui River

Am nächsten Tag standen wir mitten in der Nacht auf, packten unsere letzten Sachen und fuhren zum Gebäude des Veranstalters. Zwei Paare aus Österreich hatten unabhängig voneinander und von uns die gleiche Tour gebucht und wir starteten zu sechst in einem Kleinbus mit den Booten auf dem Anhänger in Richtung Fluss. Dort gab es eine kurze Einführung in Paddeltechniken und Besonderheiten des Flusses, die wir alle jedoch nur in Teilen verstanden – die Aussprache unseres Vermieters war sehr speziell. Wir wussten lediglich, dass auf der dritten Tagesetappe einige Stromschnellen und stehende Wellen auf uns warten würden.

Neuseeland: Im Kanu auf dem Whanganui River

Die nächsten drei Tagen verbrachten wir dann mit einer Fahrt auf dem Whanganui durch eine wunderschöne Landschaft. Der Fluss hat sich tief in die Felsen gefressen und die Steilwände entlang des Stroms sind bis zur Wasseroberfläche bewachsen. Am Ufer waren regelmäßig wilde Ziegen beim Grasen zu sehen, wie die Tiere in den steilen Hängen zurecht kommen, war faszinierend. Den ersten Abend verbrachten wir in der John Coull Hut bei Kerzenschein am holzgefeuerten Ofen zusammen mit den anderen Kanuten. Ein Paar aus den Niederlanden ist noch zu uns gestoßen und da wir alle für mehrere Monate auf Reisen sind, gab es viele Themen.

Neuseeland: Bridge to Knowhere am Whanganui River

Am zweiten Tag legten wir auf der Hälfte der Strecke zur nächsten Hütte einen Zwischenstopp an der „Bridge to Nowhere“ ein. Nach dem ersten Weltkrieg bekamen neuseeländische Soldaten als Dank für ihren Einsatz vom Staat ein Stück Land geschenkt. In der extrem unzugänglichen Region am Whanganui River siedelten sich so 80 Familien an, um von der Landwirtschaft zu leben. Es wurde auch eine massive Betonbrücke über einen Seitenfluss gebaut, um die Siedlung mit Fahrzeugen erreichen zu können. Nach einigen Jahren stellte sich allerdings heraus, dass sich die Gegend nicht gut für die Landwirtschaft eignet und die Instandhaltungskosten für die Straßen zu hoch waren. Die Siedlung wurde aufgegeben, die Brücke steht jedoch heute noch. Da die Straßen und ehemaligen Grundstücke mittlerweile wieder zugewachsen sind, führt die Brücke jetzt von „Irgendwo nach Nirgendwo“ und kann nur über den Fluss und längere Wanderwege erreicht werden.

Neuseeand: Tieke Kainga am Whanganui RiverNeuseeland: DOC-Hütte am Tiere Kainga

Die zweite Nacht verbrachten wir in einer Hütte beim Tieke Kainga, einer historischen Versammlungstätte der Maori. Neben der Übernachtungshütte für Kanuten und Wanderer steht eine Versammlungshütte der Maori und das Gelände wird regelmäßig für Zeremonien genutzt. Während wir dort übernachteten, war das Versammlungshaus allerdings verlassen. Der Abend verging bei netten Gesprächen wieder schnell und wir gingen alle früh ins Bett.

Neuseeland: Kaffeepause am Whanganui River

Donnerstag paddelten wir, unterbrochen von einer Kaffeepause, das letzte Drittel unserer Route bis zur Ortschaft Pipiriki. Auf dieser Strecke ging es durch einige Stromschnellen und auch die stehende Welle kurz vor dem Ort haben wir gemeistert – allerdings mit etlichen Litern Wasser im Boot. Die Tour war toll, wir haben sehr nette Leute kennengelernt und hatten großes Glück mit dem Wetter. Der Winter kommt hier mit großen Schritten näher und Nachts fällt das Thermometer gelegentlich schon unter null Grad. Der Austausch mit den anderen Paddlern tat gut, denn dadurch, dass wir hier im Campingbus unterwegs sind, kommen wir seltener mit anderen Reisenden in Kontakt als noch in Südostasien.

Neuseeland: Ankunft in Pipiriki am Whanganui River

Jetzt stehen wir auf einem kleinen Campingplatz direkt am Tongariro Nationalpark und haben für morgen Früh einen Transfer zum Start des Tongariro Alpine Crossing gebucht. Die Tageswanderung führt mitten durch den Nationalpark und zwischen zwei Vulkanen an verschiedenen Seen entlang. In den letzten Tagen ist auf den Bergen der erste Schnee gefallen, morgen soll das Wetter aber gut werden und die Schneefallgrenze steigt noch einmal an. Wir freuen uns auf den Tag!

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