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Whitehorse und Yukon River

Kanada: Cabin im Garten des Beez Kneez Bakpackers, Whitehorse

Seit gestern Nachmittag sind wir wieder in Whitehorse und bewohnen eine kleine Holzhütte im Garten des Beez Kneez Backpacker Hostels. Soviel vorab: Die letzte Woche im Kanadier auf dem Yukon River war die für uns bisher anstrengendste Tour und wir sind sehr froh wieder zurück in der „Zivilisation“ zu sein.

Kanada: Sortieren des Gepäcks für die Yukontour in Whitehorse

Am Montag Morgen holte uns ein Mitarbeiter von UpNorth Adventures mit unserem Gepäck am Hostel ab. Wir fuhren zum Gebäude des Kanuverleihers, stiegen mit unserem Gepäck in den Keller herab und verstauten unsere Kleidung, Ausrüstung und Lebensmittel für die kommende Woche in wasserdichten Fässern und Taschen. In der Nacht auf Montag hatte es angefangen zu regnen und die Temperatur lag nur noch bei knapp über 10° Celsius. Nachdem wir uns einen Kanadier und zusätzliche Ausrüstung (Säge, Spaten, Beil und ein großes Tarp) ausgesucht und auf einen Transportwagen verladen hatten, schoben wir das Boot zum nahegelegenen Ufer des Yukon. Dort ließen wir im strömenden Regen noch ein Abschiedsfoto von uns aufnehmen und stießen danach in den schnell fließenden Strom ab.

Kanada: Am Ufer des Yukon in Whitehorse

Den Rest des Tages verbrachten wir bei Regen und grauem Himmel auf dem ersten Teilstück unserer Route auf dem Fluss. Am frühen Abend legten wir kurz vor dem Lake Laberge am Ufer des Yukon an. Entlang des Flusses zwischen Whitehorse und Dawson City gibt es etliche Stellen an denen sich Camps mit Feuerstelle und teilweise sogar mit Trockentoiletten etabliert haben. Wir sägten als erstes Feuerholz, entzündeten das Lagerfeuer, bauten unser Zelt auf und verbrachten den Rest des Abend damit unsere nasse Regenkleidung am Lagerfeuer zu trocknen. Es hatte mittlerweile aufgehört hatte zu regnen, die Nacht war jedoch kalt und am nächsten Morgen war der Fluss in dichten Nebel gehüllt. In dieser ersten Nacht hörte ich zudem noch eine Gruppe Wölfe heulen.

Kanada: Erstes Camp auf der Yukontour

Am nächsten Morgen starteten wir zeitig in den Tag, um so früh wie möglich auf den Lake Laberge zu kommen. Dieser See ist eigentlich eine 50 Kilometer lange Verbreiterung des Yukon Rivers und für plötzliche Wetterumschwünge berüchtigt. Es gab in der Vergangenheit wiederholt Paddler die von den Fallwinden und bis zu zwei Meter hohen Wellen überrascht wurden und ertranken.
Als wir den See erreichten lag die Oberfläche glatt und klar da. Wir paddelten entlang des Ostufers, da der Wind aus Richtung Süd-Südwest kam und wir somit Rückenwind hatten. Da uns auf dem See keine Strömung mehr unterstützte, kamen wir nun deutlich langsamer voran. Auf dem Fluss kann man mit aktivem Paddeln eine Geschwindigkeit von 10 Kilometern pro Stunde erreichen. Auf dem ersten Abschnitt des Sees schafften wir in 8 Stunden nur 32 Kilometer Strecke. Am Abend legten wir an einem kleinen Strand aus grobem Kies an, bauten unser Zelt etwas entfernt am darüber liegenden Steilufer auf und verbrachten einen kurzen Abend am Lagerfeuer unter unserem Tarp. Wir waren sehr müde von der kurzen Paddelstrecke des Tages und krochen bald in unsere Schlafsäcke. Bevor wir im „Bett“, verschwanden entdeckten wir dann zu allem Übel noch Bärenkot auf der Lichtung in der Nähe unseres Zelts. Es war mittlerweile jedoch zu dunkel und wir zu erschöpft, um das Lager zu verlegen. Also mussten wir uns auf unser Bärenspray als Absicherung verlassen.

Kanada: Lager am Lake Laberge, Yukon River

Der nächste Tag wurde erneut von Wind, Sonne und Regen erfüllt. Gegen Mittag nahm der Wind stark zu und wir fuhren die Buchten am Ostufer vorsichtig immer weiter aus. An unübersichtlichen Stellen mussten wir anhalten, am Ufer entlanglaufen und die Situation in der nächsten Bucht abschätzen. Wenn wir nicht weiterfahren konnten, entzündeten wir ein Lagerfeuer, um nicht zu stark auszukühlen. Im Laufe des Tages mussten wir 4 bis 5 dieser Stopps einlegen. Als der Wind dann immer stärker wurde und uns mehrfach Wellen ins Boot gerollt waren, stoppten wir die Fahrt gegen 17.00 Uhr. Wir bauten unser Zelt an einem Steilhang auf, weil wir keine bessere Stelle mehr erreichen konnten. Deprimiert von dem vorzeitigen Ende des Tages legten wir uns ins Zelt und versuchten ein wenig zu schlafen. Wir rechneten nicht mehr damit an diesem Tag weiter paddeln zu können. Damit wäre dann auch unsere, zugegebenermaßen knappe Zeitplanung vereitelt gewesen: Um Geld zu sparen, wollten wir am Samstag Abend in Carmacks eintreffen und Sonntag Mittag den regulären, wöchentlichen Bus nach Whitehorse besteigen. Alternativ hätten wir uns vom Kanuverleiher abholen lassen können – aber das wäre deutlicher teurer geworden. Zum Glück ließ der Wind gegen 18:30 Uhr nach und wir brachen unser Lager schnell ab. Wir paddelten den Rest des Abends mit aller Kraft und erreichten um 21.00 Uhr das Ende des Sees. Die Wasseroberfläche war wieder glatt wie ein Spiegel und der Himmel lag ohne eine Wolke vor uns. Am Horizont war die Sonne hinter den schneebedeckten Bergen untergegangen. Es wurde schnell kalt, wir entfachten das Lagefeuer und konnten – vielleicht als kleine Belohnung – das Nordlicht am Himmel beobachten.

Kanada: Nordlicht über dem Lake Laberge

Der nächste Morgen war dann noch kälter als die vorangegangenen und unser Zelt wurde von einer dünnen Eisschicht überzogen. Lake Laberge und Yukon River dampften und der  Mond stand noch als volle Scheibe dicht über den Bergen. Die nächste Etappe führte uns nach dem Abbruch unseres Camps und einem schnellen Frühstück zurück auf den schnell fliessende Yukon. An diesem Tag befuhren wir den Abschnitt, der als 30-Mile-River ein Teil des Klondike Gold Rush National Historic Park ist. Auf diesem Abschnitt des Flusses, zwischen Lake Laberge und Teslin River liegen verschiedene Artefakte der First Nations und aus der Zeit des Goldrausches von 1897. Für die Raddampfer war dieser Streckenabschnitt auf dem Weg von Whitehorse nach Dawson City der gefährlichste Teil der Reise. Direkt vor unserem Lagerplatz lag der Rumpf eine alten Raddampfers, im Wald verrostete ein LKW aus den 40 Jahren neben eine Trapperhütte, die stark verfallen war.

Kanada: Alter LKW am Lake Laberge

Wir paddelten an diesem Tag fast 90 Kilometer, erreichten im Laufe das Tages die Stelle an der der Teslin River in den Yukon fließt, sahen die Insel Shipyard Island auf der das Dampfboot Evelyn am Ufer liegt und konnten die verfallenen Hütten der Siedlung Hootalinqua vorbeiziehen sehen. Auch wenn die Fotos schön aussehen (im Regen haben wir nicht fotografiert), waren wir zu diesem Zeitpunkt schon stark erschöpft. Die Stille des Waldes (man hört fast keine Vögel oder andere Tiere), die monotonen Wälder und der graue Himmel trugen stark zu unserem Stimmungstief bei. Am Nachmittag und frühen Abend paddelten wir dann auch noch stundenlang durch verbrannten Wald. Waldbrände entstehen hier im Sommer durch Blitzeinschlag oder nicht korrekt gelöschte Lagerfeuer. Dabei entstehen riesige Brachflächen, auf denen nur noch verbrannte Nadelbäume stehen. Wir sind an einer Brandfläche aus dem Jahr 1977 vorbei gekommen, auf der bis jetzt nur Birken nachgewachsen sind. Die Nadelbäume benötigen anscheinend deutlich länger um wieder nachzuwachsen.

Kanada: Brandfläche am Yukon River

Wir errichteten unser Lager für die Nacht oberhalb des Flusses im Wald und trockneten zum wiederholten Male unsere Regenkleidung und unserer Schuhe. Obwohl wir die Schuhe vor der Tour neu imprägniert hatten, drang immer wieder Wasser in sie ein. Kalte Füße waren somit ein weiteres Problem auf unserer Tour – es war in dieser Woche laut Aussage unseres Kanuvermieters für diese Jahreszeit allerdings auch ungewöhnlich feucht. In der Nacht fiel die Temperatur dann wieder auf unter 10° Celsius ab und es begann zu regnen. Wir brachen unser Lager am nächsten Morgen also im Regen ab, verstauten unsere nasse Ausrüstung und paddelten weiter. Dieser Tag wurde mit Abstand der Härteste: Es regnete konstant, uns wehte dazu ein kalter Wind entgegen und der Himmel wurde immer grauer. Gegen Mittag legten wir eine kurze Pause am Big Salmon Village ein: Dieser ehemalige Handelsposten liegt verlassen am Zulauf des Bis Salmon River in den Yukon. Es stehen mehrere, zusammengefallene Hütten am Ufer und in einer verfallenen Hütte haben Paddler Schnapsflaschen aus aller Welt in einem Regal gesammelt.

Kanada: Schnapsflaschen in alter Hütte im Big Salmon River

Den Rest des Tages verbrachten wir überwiegend schweigend und versuchten soviel Strecke wie möglich zu erpaddeln. Am Abend erreichten wir sehr erschöpft einen Lagerplatz mit Feuerstelle und stellten im Regen unser Zelt auf. An diesem Tag gingen wir stark ausgekühlt direkt ins Bett und schliefen fast 12 Stunden durch, die letzten Tage hatten ihre Spuren hinterlassen. Der kommende Morgen begrüsste uns ohne Regen und wir konnten unserer Kleidung und Schuhe an einem prasselnden Lagerfeuer trocknen. Wir brachen dann zur letzen Etappe von knapp 60 Kilometern auf, auf der es nicht mehr regnen sollte. Später zeigte sich sogar noch einmal die Sonne, wir sahen an einer der Lichtungen einen jungen Elch und der nicht verbrannte Wald zeigte sich in den schönsten Herbstfarben. Am Nachmittag erreichten wir dann unser Ziel, den Coal Mine Campground in Carmacks. Wieder hatten wir Glück, der Platz war noch geöffnet und wir konnten eine kleine Cabin mieten, heiss duschen, unsere Wäsche waschen und Abends im Trockenen kochen und essen. Der Platz wird für die Wintersaison geschlossen und die Besitzer waren grade dabei sämtliche Fenster der Gebäude mit Holz zu verschliessen. Wir schliefen wie Tote, nutzen den nächsten Morgen um unser Gepäck zu sortieren und wurden um 13.00 Uhr vom Husky Bus, dem regulären Busservice zwischen Dawson City und Whitehorse abgeholt.

Kanada: Coal Mine Campground in Carmacks

Gestern ließen wir den Abend in unserem Hostel in einer interessanten Runde ausklingen. Unter anderem lernten wir ein Renterpaar kennen, dass mit einem Dodge Kombi, Baujahr 1959 auf dem Weg von South Dakota nach Alaska ist. Die beiden haben Matratzen, ein Zelt und allerlei Hausrat in dem Wagen und verbringen zwei Nächte hier im Schlafsaal im Hostel. Die Mischung von Leuten in den Hostels hier in Nordamerika ist immer wieder überraschend und es entstehen schnell sehr interessante Gespräche.

Kanada: Schlittenhund Bertha im Beez Kneez Bakpackers in Whitehorse

Morgen fliegen wir von Whitehorse nach Vancouver und fahren mit dem Bus weiter in die USA nach Seattle. Dort werden wir drei Nächte verbringen und danach mit einem Mietwagen meine Tante Katja und ihren Mann Tony in Coos Bay, Oregon besuchen. Wir freuen uns schon darauf die beiden zu treffen und sind gespannt auf Seattle und Coos Bay, die beiden letzten Stationen unserer Reise!

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  1. Hallo ihr beiden! Wir freuen uns über ein Lebenszeichen von euch nach dieser abenteuerlichen Tour. Klingt sehr spannend! Respekt! Dann genießt die letzten Eindrücke etwas entspannter und hoffentlich ohne zu frieren. LG und bis bald in Germany. Sebastian und Anika

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