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Wrangell und Anan Bay

USA: Shakes Island in Wrangell, Alaska

Nach unserer Ankunft in Wrangell am frühen Samstag Abend liefen wir als erstes zu unserer Unterkunft für die nächste Nacht und stellten unser Gepäck ab. Wir unterhielten uns kurz mit unserer Vermieterin, die uns von den wirtschaftlichen Problemen der USA im Allgemeinen und Alaskas im Besonderen erzählte und unternahmen dann einen Spaziergang durch das Zentrum des kleinen Orts. Am Hafen von Wrangell liegt die kleine Insel Shakes Island, auf der eine Replik des Haupthauses der Tlingit steht. Wir konnten das Haus leider nur von Aussen besichtigen und Fotos von den wunderschönen Totempfählen machen, die sich neben und hinter dem Haus befinden. In Wrangell leben ca. 2.500 Menschen und der Ort machte auf uns einen etwas ausgestorbenen Eindruck, es war aber auch Wochenende. Den Abend verbrachten wir dann in unserem Zimmer und schalteten zum ersten Mal seit langem den Fernseher ein und genossen das grauselige US-Programm.

USA: Bootsshuttle von Wrangel nach Anan Bay, Alaska

Am nächsten Morgen lag dichter Nebel über Wrangell, durch den Nebel war die Sonne aber hin und wieder zu erkennen. Wir liefen zum Schiffsanleger und trafen um 11 Uhr unseren Skipper Mike, der uns in die 50 Kilometer entfernte Anan Bay brachte. Das Meer war ruhig, der Nebel lichtete sich während der Fahrt und ca. eine Stunde später erreichten wir unsere Unterkunft für die nächsten beiden Nächte. Die Hütte in der Anan Bay wird über die amerikanische Forstverwaltung vermietet und wir hatten großes Glück kurzfristig noch zwei Nächte buchen zu können. Die Hütte liegt zwei Kilometer von einer Beobachtungsplattform im Anan River entfernt. Im Juli und August wandern Lachse den Fluss hinauf, um im oberen Flusslauf zu laichen. Zu dieser Zeit kann man dann von der Beobachtungsplattform am Fluss Schwarz– und Braunbären bei der Jagd auf die Lachse beobachten – und dafür sind auch wir in die Anan Bay gekommen.

USA: Anan Bay Cabin, AlaskaUSA: Anan Bay Cabin, Alaska

Mike setzte uns in der Bucht ab, wir räumten unser Gepäck in die Hütte und sämtliche Lebensmittel in die davor liegende Lebensmittelbox, um sie vor räuberischen Bären zu schützen. Diese Boxen stehen hier in Alaska bzw. Kanada auf fast jedem Campingplatz und an vielen Rastplätzen und sind so konstruiert, dass Tiere sie nicht öffnen können. Die Hütte ist wunderschön, sie wurde im Jahr 2012 neu gebaut und man kann mit bis zu sieben Personen in ihr übernachten. Es gibt keinen Wasseranschluss und keinen Strom, aber einen Ofen, ein Toilettenhäuschen im Wald und eine kleine Quelle in der näheren Umgebung. Wir kochten uns einen Kaffe und brachen dann in Richtung Beobachtungsplattform auf, bewaffnet mit Bärenglocke und Pfefferspray.

USA: Boardwalk zum Anan Bear Observatory, Alaska

Das Anan Bear Observatory ist von der Hütte aus über einen zwei Kilometer langen Plankenweg zu erreichen. Unser Skipper Mike hatte uns auf dem Weg nach Anan davon erzählt, dass die Bären diesen Weg zum Teil auch selber nutzen. Er warnte uns außerdem vor einem großen Grizzly-Weibchen mit zwei Jungen, die immer etwas schlecht gelaunt sei. Wir waren dementsprechend vorsichtig, machten uns mit unserer Glocke und durch Gespräche bemerkbar und bewegten uns langsam über den Weg. Als wir das Observatorium erreichten, hatten wir noch keinen Bären bemerkt. Beim Blick von der Plattform in das danebenliegende Flusstal entdeckten wir dann aber mehrere Schwarzbären die Lachse fingen.

USA: Schwarzbär am Anan Creek, AlaskaUSA: Schwarzbär im Anan Creek, Alaska

Die Beobachtungsplattform hat zwei Ebenen, eine höher liegende Aussichtsplattform und eine tieferliegende, verkleidete Fotoebene, von der aus man mit den Bären am Flussufer auf Augenhöhe ist. Wir verbrachten über zwei Stunden damit den Tieren bei der Jagd zuzuschauen. An diesem Tag konnten wir nur Schwarzbären beobachten, darunter auch ein Weibchen mit einem Jungen. In diesem Jahr dauert die Lachswanderung länger als gewöhnlich und man merkt, dass die Bären schon satt gefressen sind und nur noch Leckerbissen, wie Lachsköpfe und Lachsrogen fressen. Am frühen Abend traten wir dann den geräuschvollen Rückweg an und kochten uns in der Hütte ein Abendessen. Danach verbrachten wir den Rest des Tages lesend und fielen schließlich müde in unsere Schlafsäcke.

USA: Bettzeit in der Anan Bay Cabin, Alaska

Den nächsten Tag verbrachten wir nach einem guten Frühstück, wieder auf der Beobachtungsplattform. Dieses mal trafen wir auf dem Weg zur Plattform auf einen Schwarzbären mit Jungem. Wir machten Lärm, um auf uns aufmerksam zu machen, die Tiere waren aber gar nicht an uns interessiert und zogen, langsam vor uns her trottend ihres Weges. Von der Plattform aus konnten wir dann zum ersten Mal die Grizzlybärin namens Bridget beobachten: Sie kam mit ihren Jungen den Flusslauf herab und verscheuchte sofort die Schwarzbären in diesem Bereich des Flusses. Von der Fotoplattform beobachteten wir danach weiter wie die Bären Lachse fingen.

USA: Auf der Fotoplattform am Anan Creek, Alaska

Den Nachmittag verbrachten wir in der Sonne vor unserer Hütte, wir hatten sehr gutes Wetter und es war fast schon zu heiss. Wir konnten einen Mink beobachten, der am Strand Muscheln im Seetang suchte und es flogen mehrere Adler durch die Bucht. Die Bäume neben unserer Hütte sind am morgen immer von jungen Weißkopfseeadlern besetzt gewesen und die Vögel sind auch an den Lachsen interessiert.

USA: Vor der Anan By Cabin, Alaska

Am späten Nachmittag knackte es dann plötzlich in den Bäumen neben dem Strand. Langsam lief Bridget mit ihren beiden Jungen über den Strand und auf die Wiese vor unserer Hütte. Wir brachten sofort unsere Bücher und Kaffeetassen in Sicherheit und gingen zusammen auf die Terrasse. Die Bären grasten in aller Ruhe auf der Wiese und kamen immer weiter auf uns zu. Wir gingen also in die Hütte, verriegelten die Tür und konnten durch die Scheibe beobachten, wie die Bären über unsere Terrasse liefen und dann im Wald hinter unserem Toilettenhäuschen verschwanden.

USA: Grizzlys vor der Anan Bay Cabin, AlaskaUSA: Grizzlys vor der Anan Bay Cabin, Alaska

Jetzt konnten wir auch nachvollziehen, wer die schlammigen Tatzenabdrücke an den Fenstern der Hütte hinterlassen und den Türknauf zerbissen hatte: Die Grizzlys kommen regelmäßig in der Bucht vorbei und versuchen durchaus in die Hütte zu kommen, wenn diese nicht bewohnt ist. Am kommenden Morgen wurden wir kurz nach acht Uhr wieder von der Mutter und ihren Kindern geweckt. Sie lagen auf der Wiese vor dem Haus und die Kleinen spielten in der Sonne. Wir haben uns unsere Sitzbank vor das Fenster geschoben und zugeschaut, bis die Gruppe in Richtung Fluss aufbrach.

USA: Vor der Bibliothek in Wrangell, Alaska

Um vier Uhr Nachmittags kam dann wie verabredet unser Boot und wir fuhren wieder nach Wrangell. Nach dem Anlegen des Boots ist mir noch meine Brille ins Hafenbecken gefallen – zum Glück habe ich eine Ersatzbrille um die halbe Welt getragen. Das Wetter war immer noch sommerlich warm und wir setzten uns in Wrangell in einen Pavillon neben der öffentlichen Bücherei, um die Zeit bis zur Abfahrt der Fähre um ein Uhr morgens zu überbrücken. Gegen 22 Uhr sind wir dann zum Fährterminal gelaufen und haben dort noch einen sehr netten Mann aus Juneau kennen gelernt. Er hat uns angeboten, dass wir bei ihm und seiner Frau übernachten können, wenn wir in ein paar Tagen in die Hauptstadt Alaskas kommen. Insgesamt sind die Menschen hier sehr freundlich und immer für ein Gespräch zu haben. Wir sind schon mehrfach gefragt worden, ob wir Hilfe brauchen oder etwas suchen, wenn wir mit unserem Gepäck durch die Ortschaften laufen. Vielleicht erregen wir ja auch einfach nur Mitleid 😉

USA: Weisskopfseeadler vor der Anan Bay Cabin, Alaska

Die Tage in Anany Bay sind wie im Flug vergangen und haben uns sehr gut gefallen. Mit dazu beigetragen haben das sommerliche Wetter, die nette Hütte und natürlich die vielen Tiere, welche wir beobachten konnten. Wir sind jetzt in einem Hotel in Petersburg und haben uns ab morgen bis Sonntag ein kleines Auto gemietet. Wir wollen endlich unser Zelt nutzen und werden einige kleinere Wanderungen unternehmen, bevor wir dann (wieder mitten in der Nacht) nach Juneau weiterfahren. Petersburg macht ebenfalls einen sympathischen Eindruck und wir haben uns schon eine Hafenbar ausgesucht, in der wir Samstagabend die Zeit bis zum Ablegen der Fähre überbrücken werden.

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2 Kommentare

    • War es auch! Wir haben aber nur das südliche Alaska kennengelernt, ich glaube im hohen Norden wird das Land auch noch mal anders.

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