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Yogyakarta

Yogyakarta - Fahrradtaxi

Gestern erreichten wir nach einer zehn-stündigen Minibusfahrt etwas gerädert Malang in Ostjava. Die letzten drei Tage verbrachten wir in Yogyakarta, einer Stadt im Zentrum der Insel Java sowie eines von zwei verbliebenen Sultanaten Indonesiens. Nach unserem Flug von Medan (Sumatra) nach Surabaya (Java), bestiegen wir am Donnerstag Morgen den Zug in Richtung Bandung über Yogyakarta. Die Zugfahrt dauerte 5 Stunden und war aufgrund der bequemen Sitze und des Services in der Executive Klasse (vergleichbar mit dem ICE) sehr angenehm. Wir wären gerne auch eine Klasse unter diesem Standard gereist, aber auf der Strecke von Surabaya nach Yogyakarta wird einem die Auswahl abgenommen: Es gibt nur die Executive Klasse.

Zugfahrt Surabaya - Yogyakarta

Gegen Mittag erreichten wir nach einer kurzen Becak-Fahrt (Fahrradtaxi) unser Guesthouse und bekamen netterweise ein kostenloses Upgrade in ein schöneres Zimmer des Schwester-Guesthouses angeboten. Da unsere Kamera den Geist aufgegeben hat (Objektivfehler), mussten wir uns kurzfristig eine Neue kaufen und erkundeten im Anschluss die Stadt. Yogyakarta ist sauberer als wir erwartet hatten, besticht durch kleine, verwinkelte Gassen, die uns z.T. an Spanien und Italien erinnerten und da sich in Yogyakarta die einzige Kunsthochschule des Landes befindet, findet man überall in der Stadt Kunstgalerien und Batikläden sowie Graffitis und Stencils an den Häuserwänden. In einer studentischen Kunstgalerie bekamen wir an diesem Tag u.a. den Prozess des traditionellen Batik-Textilfärbeverfahrens mit Wachs gezeigt.

Yogyakarta: Graffiti

Der Wecker am Freitag klingelte bereits um 4.00 Uhr, denn wir hatten am Tag zuvor in unserem Guesthouse noch eine Tour zu zwei alten Tempelanlagen etwas außerhalb Yogyakartas gebucht. Erster Stopp war Borobudur, der größte buddhistische Tempelkomplex Südostasiens und UNESCO Weltkulturerbe. Die Tempelanlage wurde im Jahr 840 fertiggestellt und ist im Grunde ein riesiger Stupa, welcher in drei Ebenen unterteilt ist. Auf jeder Ebene stellen detailreiche Reliefs Szenen aus dem Leben des Siddhartha Gautama dar. Da an diesem Morgen nicht viele Touristen unterwegs waren, konnten wir die Tempelanlage in Ruhe besichtigen und auf der Spitze die Aussicht über die dunstige Landschaft mit dem Merapi Vulkan in der Ferne genießen.

Borobudur

Wenig später belagerte eine ganze Schulklasse die Tempelanlage und wir fühlten uns mal wieder wie die rosa Elefanten: Von allen Seiten wurden wir intensiv beobachtet, es wurde getuschelt und gekichert. Der Lehrer kam dann auf uns zu und fragte, ob ein paar Schülerinnen Fotos mit uns machen dürften. Wir willigten ein und kurz darauf stand eine ganze Traube Schüler um uns herum, die ihre Handykameras auf uns richteten. Wir wissen zwar immer noch nicht so richtig was das soll, haben aber mittlerweile erfahren, dass es in Indonesien momentan wohl „in“ ist, Fotos von sich selber mit Europäern bei Facebook zu posten.

Borobudur

Im Anschluss besichtigten wir an diesem Tag noch Prambanan, die eins größte hinduistische Tempelanlage Südostasiens. Als wir den Tempel passierten, fragten uns zwei Mädchen, ob sie uns eine kostenlose Führung geben dürften. Sie erklärten uns, dass sie im Rahmen ihres Tourismus-Studiums als Praxisleistung fünf Monate lang diese Führungen anbieten würden. Wir nahmen das Angebot an und die zwei zweigten uns ganz selbstbewusst die acht Tempel der Anlage (z.T. mussten wir während der Besichtigung Bauhelme tragen, da 2006 ein Erdbeben Prambanan schwer beschädigte und die Restaurierungsarbeiten noch nicht abgeschlossen sind).

Führung Prambanan

Am nächsten Tag erkundeten wir den Kraton, der Bereich des Sultanpalastes und eine Art kleine Stadt in der Stadt, welche von 4m hohen und ebenso dicken weißen Mauern umgeben ist. Innerhalb der Stadtmauern gibt es unzählige kleine Gassen und Straßen, denn der Kraton ist unter anderem auch ein normales Wohngebiet, in dem man einen tollen Eindruck vom Alltagsleben der Indonesier bekommen kann. Das Sultanat von Yogyakarta ist das einzige noch existierende politische Sultanat in Indonesien und der Sultan Hamengkubuwono X lebt mit seiner Familie, seinen Angestellten und der Palastwache in einem Teil des Kratons, der für die Öffentlichkeit gesperrt ist. Das Palastmuseum beeindruckte uns leider wenig, da viel Uninteressantes, wie Küchenutensilien des ehemaligen Sultans ausgestellt werden. Das angrenzende Wasserschloss Taman Sari gefiel uns hingegen ganz gut, allerdings wurden wir erneut von lokalen Touristen angestarrt und fotografiert. Mit einem Becak fuhren wir nach dem Besuch zurück in unser Guesthouse und verbrachten den Rest des Tages mit der weiteren Reiseplanung.

Yogyakarta: Wasserschloss

Die Planung unserer weiteren Reiseroute wurde dann komplizierter als erwartet. Wir haben uns vorgenommen auf der Insel Java noch zwei Vulkankomplexe zu besuchen: den Gunung Bromo und das Ijen-Plateau. Diese beiden Bergregionen werden von Touristen nur in kurzen Tagestouren erkundet, wir wollten gerne eine längere Wanderung, vielleicht sogar mit mehreren Übernachtungen unternehmen. Allerdings hat sich eine Art Monopol auf Fahrten zu den Vulkanen gebildet und es ist extrem kompliziert in den Bergregionen eine Wanderung mit Führer zu unternehmen, die vom Standardprogramm abweicht. Hinzu kommt, dass die Unterkünfte entweder extrem heruntergekommen oder sehr teuer sind. Nachdem wir lange mit dem Vergleich der wenigen Optionen verbracht hatten, buchten wir ein Busticket nach Malang. Malang ist ein Ort im Hochland Ostjavas, der nur noch zwei Fahrstunden vom Gunung Bromo entfernt liegt.

Nach der schon erwähnten, zehn-stündigen Fahrt mit dem Minibus sind wir gestern Abend im strömenden Regen in Malang angekommen. In diesem Teil Indonesiens ist grade Regenzeit, die Temperaturen sind immer noch sehr angenehm, es regnet nur öfter. Unsere Unterkunft ist wieder sehr nett und wir verbrachten den Tag heute mit einer Rundtour durch die Stadt. Dabei besichtigten wir kurz das Hotel Tugu, in dem der Besitzer Anhar Setjatibrata Antiquitäten, Kunstgegenstände und indonesisches Kulturgut zusammengetragen hat. Die Stadt mach einen schönen Eindruck, es ist sehr grün und sauber. Wir wurde wieder sehr häufig freundlich gegrüßt und eine ältere Dame zeigte uns Fotos von ihrem holländischen Konversationsklub. Unsere Stadttour nutzten wir außerdem dazu das Programm und die Preise verschiedener Anbietern von Touren zu den Vulkanen zu vergleichen. Wir haben jetzt ein Paket gebucht, das eine Übernachtung am Ijen-Plateau beinhaltet und werden heute Nacht gegen 1 Uhr mit dem Bus zum Bromo aufbrechen, um den Sonnenaufgang am Vulkan mitzuerleben. Nach einer Übernachtung und der Wanderung auf dem Ijen-Plateau fahren wir dann weiter in den Norden von Bali, nach Permuteran.

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  1. Wir haben in Laos einen Schweden kennengelernt, der durch Ost Timor gereist ist. Es soll wenig touristische Infrastruktur geben aber trotzdem ein tolles Reiseland sein.

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